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Schreiben über Afrika: Koloniale Konstruktionen

Eine kritische Untersuchung ausgewählter zeitgenössischer Afrikaliteratur

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Roland Schmiedel

Seit den 1990er Jahren ist das Interesse am deutschsprachigen Afrika-Roman stetig gewachsen. Die germanistische literaturwissenschaftliche Forschung setzt sich daher zunehmend intensiv mit diesem Subgenre auseinander und reflektiert dabei den postkolonialen Diskurs. Die Studie zeigt – ohne sich dabei auf einen geographischen Raum zu beschränken – mittels einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Roman Herz der Finsternis von Joseph Conrad, wie die Autoren Lukas Bärfuss, Hans Christoph Buch, Andrea Paluch, Robert Habeck und Ilija Trojanow in ihren Romanen postkoloniale Potentiale und Perspektiven ausprägen und dabei eigene kulturelle Denkmuster, Stereotype und Dichotomien reproduzieren, vorführen oder modifizieren.
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5. H.C. Buch Kain und Abel in Afrika

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Auch der Roman Kain und Abel in Afrika von Hans Christoph Buch (2001) nimmt im Text direkt Bezug auf den Prätext. Eine weitere Besonderheit des Romans ist jedoch vor allem darin zu sehen, dass er zwei unterschiedliche Erzählperspektiven hat, nämlich eine Gegenwartserzählung um einen fiktiven Journalisten231 eines Hamburger Wochenmagazins, ein klarer autobiographischer Bezug zum Autor, und eine historisch koloniale Erzählung um den deutschen Afrikaforscher Richard Kandt, die in Anlehnung an dessen historische Autobiographie232 erzählt wird. In alternierender Erzählweise werden historische Begebenheiten von Richard Kandt mit dokumentarischen, tagebuchähnlichen Aufzeichnungen dreier Reisen komponiert. Eine inhaltliche Verknüpfung der beiden Erzählebenen ist außer der Tatsache, dass beide Erzählebenen Ereignisse in Ruanda schildern, vordergründig nicht vorhanden.

Die historische Erzählperspektive beginnt 1897 in Berlin mit dem jungen Arzt Richard Kandt, der nach neuen beruflichen Herausforderungen sucht. Dabei trifft er auf Magnus Hirschfeld und Robert Koch und erhält eine Einladung zu einem privaten Abendessen bei Fürst Bismarck auf Schloss Friedrichsruh. Bismarck hört sich die Sorgen des jungen Mediziners an und rät ihm, seiner Forscherleidenschaft nachzugehen und in Afrika die Nilquellen zu suchen. So reist der junge Kandt 1897 nach Ruanda und unternimmt eine Forschungsexpedition zu den Quellen des Nils. Auf dieser Expedition entstehen persönliche bis intime Kontakte zwischen Kandt und seinem einheimischen jugendlichen Diener Mabruk. Kandt lernt die fremde Natur und die Völker der Region kennen, das Leben in einer Karawane, den Angriff eines Flusspferdes,...

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