Show Less
Restricted access

Schreiben über Afrika: Koloniale Konstruktionen

Eine kritische Untersuchung ausgewählter zeitgenössischer Afrikaliteratur

Series:

Roland Schmiedel

Seit den 1990er Jahren ist das Interesse am deutschsprachigen Afrika-Roman stetig gewachsen. Die germanistische literaturwissenschaftliche Forschung setzt sich daher zunehmend intensiv mit diesem Subgenre auseinander und reflektiert dabei den postkolonialen Diskurs. Die Studie zeigt – ohne sich dabei auf einen geographischen Raum zu beschränken – mittels einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Roman Herz der Finsternis von Joseph Conrad, wie die Autoren Lukas Bärfuss, Hans Christoph Buch, Andrea Paluch, Robert Habeck und Ilija Trojanow in ihren Romanen postkoloniale Potentiale und Perspektiven ausprägen und dabei eigene kulturelle Denkmuster, Stereotype und Dichotomien reproduzieren, vorführen oder modifizieren.
Show Summary Details
Restricted access

7. Ilija Trojanow Der Weltensammler

Extract

Ilija Trojanows Roman Der Weltensammler (2006) beschreibt eine koloniale Weltreise durch drei Kolonien des britischen Imperiums und orientiert sich an der Biographie des britischen Kolonialoffiziers, Geheimagenten, Entdeckungsreisenden und Autors Sir Richard Francis Burton. Der Romanfigur ist, wie auch der historischen Person als Kolonialoffizier und Entdeckungsreisendem, keine Mühe zu groß, auf seinen Reisen in die jeweils fremde Kultur einzutauchen. Dazu lernt Burton die Sprachen des jeweiligen Landes, kopiert die Lebensgewohnheiten der Menschen und ist auch spirituellen und kulturellen Riten gegenüber neugierig und aufgeschlossen. Er erscheint als interkultureller Botschafter, der den Auftrag hat, eins zu werden mit der jeweils fremden Kultur.

In Britisch-Indien beginnt Richard Burton seine erste Reise. Als Kolonialoffizier ist er mit Spionageaufträgen beauftragt, denn er besitzt die Fähigkeit, die vor Ort gesprochenen Sprachen schnell zu lernen und er ist dem Unbekannten gegenüber aufgeschlossen. Über das Erlernen der Landessprache versucht Burton, die fremde Kultur, d.h. vor allem deren kulturelle Eigenarten, zu inkorporieren. Seine Verwandlung gelingt ihm derart perfekt, dass er verkleidet in landestypischer Kleidung zuweilen von seinen Kameraden nicht mehr als Brite erkannt wird und auch die Einheimischen ihn nicht mehr als Fremden wahrnehmen. Neben der Verkleidung erlangt er Zugang zur indischen Kultur durch den Unterricht bei einem Brahmanen und bei einer Kurtisane, die ihn als seine Geliebte in den tantrischen Sexualpraktiken unterweist. Nach deren unerwartetem Tod erleidet Burton einen Nervenzusammenbruch, wird vorübergehend dienstunfähig und reist zusammen mit seinem Diener Naukaram nach England.

Eine zweite Reise führt Burton...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.