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Die Medizinische Fakultät Freiburg 1945 bis 1969/1970

Entwicklungslinien und Protagonisten im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit

Nadine Kopp

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung der Medizinischen Fakultät zwischen 1945 und 1970. Im Fokus der Untersuchung steht dabei das Spannungsverhältnis zwischen Medizinischer Fakultät und öffentlichem Raum, der wiederum die regionale Öffentlichkeit, repräsentiert durch die Stadt Freiburg, die universitäre Öffentlichkeit sowie die Öffentlichkeit der westdeutschen Universitäten insgesamt umfasst. Ausgehend von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zum Ende der 1960er wird die Frage nach dem Selbstverständnis und nach der öffentlichen Selbstdarstellung der Freiburger Universitätsmediziner aufgeworfen und anhand eines breiten Quellenspektrums untersucht. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass neben der medizinischen Wissenschaft auch die Öffentlichkeits- und Patientenorientierung zentrale Faktoren im Denken und Handeln der Medizinischen Fakultät Freiburg waren.
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1. Einleitung

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„Die Identität, Unverwechselbarkeit einer Universität, wird vor allem geprägt durch die an ihr Lehrenden und Forschenden: welche Probleme sie bei der Forschung beschäftigen, was sie entdecken, wie sie Wissen und Erfahrung weitergaben und – bei einem klinischen Universitätslehrer – wie er seine Aufgabe als Arzt wahrgenommen hat.“1

Mit diesen Worten leitet der Internist Wolfgang Gerok (*1926) seine Erinnerungen über seinen medizinischen Werdegang ein, der 1944 mit dem Medizin-Studium in Freiburg begann und 1968 zur Berufung auf den Freiburger Lehrstuhl für Innere Medizin führte. Während seiner fast dreißig Jahre umfassenden Beschäftigung mit Medizin war Gerok Zeuge der wechselvollen Geschichte der deutschen Medizin: Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war sie – ebenso wie andere gesellschaftliche Bereiche – von Improvisation und Optimismus getragen, die auf eine schnelle Überwindung der Kriegsfolgen abzielte. Mit der Fortsetzung des Studiums bei dem Biochemiker Adolf Butenandt (1903-1995) in Tübingen 1945 lernte Gerok die Bedeutung herausragender Lehrer kennen. Sein anschließender Aufenthalt am Universitätsspital Zürich 1953 führte ihm die Rückständigkeit der deutschen Medizin vor Augen. Aufgeholt wurde dieser Rückstand seit den 1950er Jahren durch den wiederaufgenommenen Austausch zwischen der deutschen Medizin und der des Auslandes, was in Deutschland zu einer positiven Aufbruchstimmung und einer Reihe medizinischer Innovationen führte. Dass die Zeit einzelner herausragender Ordinarien in den späten 1960er Jahren zu Ende ging und sich auch die Universität unter dem Druck zunehmend kritischerer Studierender zu verändern begann, erlebte Gerok...

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