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Die Medizinische Fakultät Freiburg 1945 bis 1969/1970

Entwicklungslinien und Protagonisten im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit

Nadine Kopp

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung der Medizinischen Fakultät zwischen 1945 und 1970. Im Fokus der Untersuchung steht dabei das Spannungsverhältnis zwischen Medizinischer Fakultät und öffentlichem Raum, der wiederum die regionale Öffentlichkeit, repräsentiert durch die Stadt Freiburg, die universitäre Öffentlichkeit sowie die Öffentlichkeit der westdeutschen Universitäten insgesamt umfasst. Ausgehend von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zum Ende der 1960er wird die Frage nach dem Selbstverständnis und nach der öffentlichen Selbstdarstellung der Freiburger Universitätsmediziner aufgeworfen und anhand eines breiten Quellenspektrums untersucht. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass neben der medizinischen Wissenschaft auch die Öffentlichkeits- und Patientenorientierung zentrale Faktoren im Denken und Handeln der Medizinischen Fakultät Freiburg waren.
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5.3.2 Ein Mediziner als Jubiläumsrektor? Die Verhandlungen zwischen Medizinischer Fakultät und Universität in den Jahren 1955 bis

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Besondere Bedeutung sieht Ruffin in der individuellen Erforschung der psychischen und physischen Krankheitsursachen, die schon seit dem 19. Jahrhundert zu einer Psychologisierung der Medizin geführt hätten.417 Freuds Leistung ergibt sich Ruffin zufolge aus der Erweiterung der naturwissenschaftlichen Medizin um den seelisch-geistigen Bereich und der daraus folgenden „neue[n] Interpretation des Menschen“.418 So ruft Ruffin seine Zuhörer abschließend dazu auf, „das Wissen um die menschliche Seele und um den Menschen neu und in angemessener Weise in Angriff“ zu nehmen.419 Anders als Görttler präsentiert sich Ruffin als moderner und fortschrittlicher Vertreter seines Fachbereiches, doch ← 164 | 165 → zeichnet sich auch sein Vortrag durch eine Wirkungsabsicht aus: Ruffin möchte das Verständnis seiner Zuhörer für ein modernes Menschenbild wecken und dieses um die Psyche ergänzen.

Görttlers zweiter Vortrag „Stimme und Sprache“ beschäftigte sich ebenfalls mit dem modernen Menschenbild, doch stand der Vortrag ganz im Zeichen des bevorstehenden 500-jährigen Universitätsjubiläums: Er war stärker fachwissenschaftlich ausgerichtet und sparte komplexe medizinische Zusammenhänge ebenso wenig aus wie die medizinische Fachsprache.420 Anhand des menschlichen Stimmapparates arbeitete Görttler die Sonderstellung des Menschen in der Welt des Lebendigen heraus:

Nur im menschlichen Kehlkopf hat sich aus dem alten Sphinkter ein ganz neues, sehr kompliziertes Muskelsystem entwickelt, dessen Fasern nicht mehr stimmbandparallel verlaufen, sondern im Stimmband selbst und in der ganzen Wand des subglottischen Stimmraumes ansetzen.421

Görttler bewertete diese Entwicklung als „vollständige Revolution der Stimmbildung...

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