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Die Medizinische Fakultät Freiburg 1945 bis 1969/1970

Entwicklungslinien und Protagonisten im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit

Nadine Kopp

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung der Medizinischen Fakultät zwischen 1945 und 1970. Im Fokus der Untersuchung steht dabei das Spannungsverhältnis zwischen Medizinischer Fakultät und öffentlichem Raum, der wiederum die regionale Öffentlichkeit, repräsentiert durch die Stadt Freiburg, die universitäre Öffentlichkeit sowie die Öffentlichkeit der westdeutschen Universitäten insgesamt umfasst. Ausgehend von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zum Ende der 1960er wird die Frage nach dem Selbstverständnis und nach der öffentlichen Selbstdarstellung der Freiburger Universitätsmediziner aufgeworfen und anhand eines breiten Quellenspektrums untersucht. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass neben der medizinischen Wissenschaft auch die Öffentlichkeits- und Patientenorientierung zentrale Faktoren im Denken und Handeln der Medizinischen Fakultät Freiburg waren.
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6. Die Medizinische Fakultät zwischen Konsolidierung und radikaler Kritik (1957/58-1969/70)

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Im Jahrzehnt zwischen den späten 1950er und den späten 1960er Jahren veränderte sich die bundesrepublikanische Gesellschaft von Grund auf: Die Verbreitung von Rundfunk und Fernsehen stellten nicht nur neue Mittel zur Informationsbeschaffung und Unterhaltung dar, sondern beförderten auch eine stärkere Durchlässigkeit zwischen privatem und öffentlichem Raum.518 Diese ging auf der einen Seite mit einer „kulturellen Homogenisierung“519 einher, legte auf der anderen Seite aber auch die Grundlage für das Entstehen pluralistischer Öffentlichkeiten, die mit dem Wunsch der Bürgerinnen und Bürger verbunden waren, am jeweiligen Diskurs teilzuhaben. Für Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bedeutete dies, dass neben dem Nachrichtenwert die mediale Vermittlung selber zu einem entscheidenden Einflussfaktor wurde.520

Dass dieser Befund auch für die Geschichte der Medizinischen Fakultät gilt, zeigt ein Blick auf die in der Fakultät behandelten Themen: Sie betreffen den Stand der Freiburger Forschungen, die Auseinandersetzung über den Ausbau der Fakultät zwischen Fakultät und Wissenschaftsrat, öffentlich geäußerte Kritik am Medizinstudium und den Medizinordinarien, das zunehmende Interesse an medizinischen Fragen und das Selbstverständnis der Universitätsmediziner. Bildungspolitisch steht das Jahrzehnt zwischen den späten 1950er und den späten 1960er Jahren auch in Freiburg ganz im Zeichen einer Bildungsexpansion, die einerseits zum Ausbau des wissenschaftlichen Personals führte, aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach akademischer Bildung andererseits aber auch mit einer massiven Zunahme der Studierenden verbunden war. Begrenzte finanzielle Ressourcen führten zu einer Überlastung des Universitätsbetriebs, was in...

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