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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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Vorwort

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Vom Glück des Reisens schwärmte Alexander Puschkin in Odessa. Der Dichter Ossip Mandel’stam, den Stalins Henker im Gulag ermordeten, bekannte, seinem Schicksal zum Trotz, gleichwohl: Du musst reisen! Die großen Reisenden und Entdecker vergangener Jahrhunderte - Vasco da Gama, Fernão de Magalhães, Hernando Cortez, James Cook, Alexander von Humboldt, Charles Darwin und David Livingstone - hatten den Weg gewiesen: Ihre wagemutigen und entbehrungsreichen Reisen in Regionen der terra incognita hatten das Bild von der Erde grundsätzlich verändert und Mythen des Altertums wie jene des Ptolemäus zerstört oder neugeschrieben. Die Reiseliteratur der Neuzeit griff das Thema dankbar auf und fügte neue Details hinzu.

Dies alles, oder zumindest einen großen Teil der ihm zugänglichen Bücher, hatte der Junge gelesen, der ich damals war. Genauer: Verschlungen hatte ich die Reiseschilderungen, zumal die von Joseph Conrad, fasziniert von der Straße von Malacca, von der Umrundung des sturmumtosten Kap Hoorn, von der Besteigung des Popocatépetl, vom Sambesi, von Sibirien, Sumatra, Chitzen Itza und der Seidenstraße. Kein Reisetagebuch war vor mir sicher. Erst später begriff ich, dass viele der großen Entdecker lediglich die Wegbereiter der mörderischen Kolonisatoren waren, die Afrika, Asien und Lateinamerika dem weißen Mann unterjochten. Die Folgen sah ich später.

Der Drang zu reisen wurde seither immer stärker, zumal nach dem Mauerbau. Hinter dem Schandwerk lebend, war ich abgeschnitten von der Welt. Von Berlin führte nur ein...

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