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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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1983 Nach Krakau, der Sprache wegen

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Frühsommer 1983: Eine Einladung der altehrwürdigen Jagiellonen-Universität zu Krakau liegt auf dem Schreibtisch. Im Rahmen der Partnerschaft mit der Ruhr-Universität Bochum bitten die Lehrenden am dortigen Seminar für Angewandte Sprachwissenschaft, in Vorlesungen und Seminaren Themen des Deutschen als Fremdsprache zu behandeln: Lehrwerke, Methoden des Leseverstehens, Sprachanalyse. Praxisbezogen solle es, bitte schön, sein: Man erwarte konkrete Hilfen für den Deutschunterricht. Die Situation sei schwierig.

Abflug nach Warschau im September und samstäglicher Spaziergang um Königsschloss, Universität, Kopernikusdenkmal und Altstadtmarkt. Der Markt, in alter Pracht neu entstanden und restauriert nach Gemälden des Canaletto, liegt nahe der Sigismundsäule, gestiftet von König Władysław IV. zu Ehren seines Vaters, Sigismund III. Wasa, im Jahre 1644. Zu Füßen Sigismunds versammeln sich an diesem Sommerabend Teile der Jugend der Stadt, um sich auf den morgigen Tag, den 17. September, vorzubereiten: Zum ersten Mal dürfen die Polen öffentlich des Überfalls der Roten Armee vor 44 Jahren gedenken, zweiter Akt des verbrecherischen Vertrages zwischen Hitler und Stalin, der die vierte Teilung Polens besiegelte.

Eine Fahrt zum Ort des Warschauer Ghettoaufstands endet an jener Stelle, an der erst kürzlich ein Mahnmal errichtet wurde: früher der Bahnhof, von dem die Gleise direkt nach Auschwitz, Majdanek und Treblinka führten. In vier Sprachen wird an die Massendeportation Warschauer Juden erinnert: Polnisch, Englisch, Hebräisch und Jiddisch. In deutscher Sprache prangt ein einziges Wort über dem Eingangstor: Umschlagplatz.

Am...

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