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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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1990 Weihnachten im Maya-Land

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Weihnachten ist für uns längst nicht mehr das „Fest der Feste“, uns fehlt die religiöse Bindung, Kinder haben wir nicht, und die Glühwein-und-Gabentisch-Seligkeit unserer eigenen Kindheit lässt sich nicht mehr heraufbeschwören. So nutzen wir seit langem schon die feiertagsreiche Zeit mit ihren geschenkten Urlaubstagen zu ausgiebigen Winterreisen in kleiner Gruppe, meist in wärmere Länder, auf der Flucht vor der klimatischen Kälte draußen im Schneematsch und vor der atmosphärischen Hitze drinnen um den Christbaum im eigenen weihnachtsseligen Heimatland.

Im Winter 1990/91 zog es uns wieder einmal ins Maya-Land, das mich schon früher mehrmals bei beruflichen Aufenthalten fasziniert hatte.

5 Tage waren es noch bis zum Heiligen Abend. Wir beratschlagten in der Gruppe, wie wir ihn feiern wollten: am Strand mit einem kerzenbestückten Christbaumimitat, in einer Luxusherberge mit internationalem Büffet und „Jingle-Bells“-Begleitung oder paarweise zurückgezogen im Hotelzimmer – verlegen „Stille Nacht, heilige Nacht“ intonierend und kleine Geschenke austauschend? Schließlich beschlossen wir, gemeinsam auf den Spuren der Maya zu bleiben und meldeten uns für die Festtage in einem Hotel in San Cristóbal de las Casas an, dem Hauptort der noch verbliebenen Maya hoch im mexikanischen Bergland. Als wir am 24. Dezember die steile Straße hochfuhren, las einer der Freunde aus der Brevísima relación de la destrucción de las Indias occidentales von Bartholomé de las Casas vor, einem Aufklärungswerk, das die Verbrechen der Conquistadoren im 16. Jahrhundert...

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