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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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1992 Amazon Lodge - die vernünftige Faszination oder: Eine andere Art, den Regenwald am Amazonas zu erleben

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Luis wartete schon. Ich war, nach einem erschöpfenden Nachtflug quer durch Brasilien, morgens kurz vor zwei Uhr in Manaus eingetroffen und hatte es vorgezogen, wegen der vier Stunden bis zum vereinbarten Abholtermin nicht mehr in ein Hotel zu fahren. Vier Stunden in der schwülen Hitze der Ankunftshalle des Flughafens von Manaus aber können zur Hölle werden. Irgendwie freilich war ich am Ende aber doch noch eingeschlafen. Als ich vom Geräusch der Reinigungsmaschine wach wurde, stand Luis mit seinem Bus der Amazon Lodge schon vor dem Flughafen. Er mühte sich, meinen Namen auszusprechen, was kaum gelang. Sein Französisch aber war ausgezeichnet: Ergebnis einer fünfjährigen Ehe mit einer Französin aus Guayana, doch das sei schon Geschichte, wie er mir später gestand.

Freundliche Begrüßung mit einem französischen Paar, das schon im Flugzeug gesessen hatte. Und, große Überraschung, im Bus sitzt noch ein Ehepaar aus Pullach. Bayerische Laute vertreiben aufkommende Fremdheit.

Das Gepäck ist rasch verstaut: In schneller Fahrt geht es um Manaus herum zum Hafen. Überall Zeugen eines zweiten Industriebooms nach der Kautschukzeit am Ende des letzten Jahrhunderts: gewaltige Rodungen, um Platz für Industrieanlagen zu schaffen. Die Welt der multinationalen Konzerne scheint vollständig versammelt, die Umweltzerstörung perfekt.

Am großen Strom ist schon früh am Morgen reger Betrieb. Fischer landen ihren Fang an, mehrere Schiffe laden Fracht für die lange Fahrt nach Belém hinunter und den...

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