Show Less
Restricted access

In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

Series:

Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
Show Summary Details
Restricted access

1997 Besichtigung der „Nationalen Mahn- und Gedenkstätte“ Sachsenhausen

← 86 | 87 → 1997

Extract

Die Deutsche Demokratische Republik verstand sich nicht als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches. Ihre Stunde Null waren Kriegsende und Zerschlagung des Hitlerfaschismus durch die Rote Armee; die Zeit davor gehörte dem anderen Deutschland, mit dessen Vertretern abgerechnet werden musste. Nur konsequent aus ihrer Sicht war es daher, die ehemaligen Konzentrationslager auf dem Gelände der Sowjetischen Besatzungszone binnen kurzer Zeit wieder mit Gefangenen zu füllen: Naziverbrecher, Mitläufer, aber auch von Denunzianten den Russen genannte missliebige Mitbürger. Eines der Lager befand sich am Rande des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen: das Speziallager Nr. 7 (1) des NKWD, zu Zeiten Hitlers ein Lager für besondere Häftlinge wie den österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg.

Dieses Sonderlager war zu DDR-Zeiten tabu. Was jenseits der KZ-Mauern in den Jahren 1945–1950 geschah, wurde verschwiegen, jegliche Forschung verboten. Die Debatte, die Eugen Kogon 1949 mit der Bitte an Thomas Mann erneut eröffnet hatte, seinen Goethe-Vortrag nicht im Weimarer Nationaltheater vor den Größen des DDR-Regimes zu halten, weil im nahen Buchenwald weiterhin gemordet wurde – Mann entsprach der Bitte bekanntlich nicht –, diese Debatte war in der DDR unmöglich.

Unter den Institutionen, die im Ausland für die Deutsche Demokratische Republik Propaganda machten, spielte die Liga für Völkerfreundschaft eine besondere Rolle. Es ist nicht ohne tiefere Bedeutung, dass sie im unzerstörten Teil des einstigen Goebbels-Propagandaministeriums im nunmehr Thälmannplatz genannten Teil der Wilhelmstraße residierte. Ihr Präsident war der von Ulbricht entmachtete Altstalinist Kurt Wandel. Der Liga...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.