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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2010 Die Mitte und der Vermittler - Indien, China und Japan

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China verstand sich über Jahrhunderte hinweg als Reich der Mitte: im Zentrum des Universums gelegen, von Feinden in allen Himmelsrichtungen umgeben und bedroht. Also ließen die Kaiser, zumal der Ming-Dynastie, eine gigantische Mauer errichten, um gegnerische Heere abzuschrecken.

Im Innern herrschte die eherne Ordnung des Meisters Kung – latinisiert Konfuzius –, vor 2500 Jahren begründet: Der gottgleiche Kaiser steht unberührbar ganz oben auf der Pyramide der Gesellschaft und verbindet in seiner Person Himmel und Erde; ihm unterworfen sind zivile und militärische Mandarine, also Beamte, die die Aufrechterhaltung der göttlichen Ordnung garantieren.

Die Bevölkerung steht ganz unten. Unterwerfung und Disziplin sind die Grundwerte der Ordnung des Konfuzius schlechthin; ihr folgen die Normen: Alt vor Jung, Mann vor Frau, Han-Chinesen vor Minderheiten und Ausländern. Als normgerecht gilt, den Mittelweg zu suchen, Kritik zu unterlassen und sich bei der Obrigkeit beliebt zu machen, um die eigene Karriere zu befördern. Bestechung und Bestechlichkeit wurden so zum Regelfall. Vom Taoismus des Lao Tzu übernahm Meister Kung, was ihm ins Konzept passte, zumal die Komplementarität des Yin und Yang, also des Weiblichen und des Männlichen, des Inneren und des Äußeren, des Religiösen und des Politischen. Komplementarität ist das Gegenteil eines unauflöslichen Antagonismus: Alles ergänzt sich und überwindet den Streit, so das Tao, wenn es gelingt, die Begierden zu überwinden. Diese zutiefst geistige und individuelle Anstrengung nun verwandelte Kung in öffentlich-staatsrechtliche Norm: Anpassung und Unterwerfung. Das Ergebnis war eine zutiefst...

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