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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2011 Karneval in Thailand, soldatischer Drill oder Traditionspflege?

← 354 | 355 → 2011

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Die Szene ist die Aula der Ramkhamhaeng-Universität zu Bangkok, mit über 400.000 Studentinnen und Studenten die größte Hochschule des Landes. Es ist Ende Februar, das Semester geht seinem Abschluss entgegen. Eine Woche lang wird bereits auf dem Campus die Verleihung der Bachelor-und Masterdiplome szenisch geprobt: Tausende Absolventen marschieren, in Talare ihrer jeweiligen Fakultät gehüllt, in Reih’ und Glied auf und ab, stehen stundenlang trotz brütender Hitze in geordneten Gruppen, um irgendwann mit harschem Befehl zum Einmarsch in die Halle aufgefordert zu werden. Das einstudierte Lächeln weicht nicht von den Gesichtern; die Strapazen darf niemand sehen, weil es Gesichtsverlust bedeutete: ein unverzeihlicher Regelverstoß!

Doch dies war lediglich die Probe. Heute, eine Woche später, folgt die Aufführung: das Ereignis des Studiums schlechthin! Eine Unzahl von Studentinnen und Studenten hat vor Aufregung schlecht geschlafen und wird deshalb von Müttern, Tanten und ganzen Dorfgemeinschaften, die eigens dafür oft von weither angereist sind, beruhigt und getröstet. Vor allem aber eingekleidet, denn das Erscheinungsbild ist alles!

Der große Tag der Diplomübergabe ist angebrochen, von dem alles abhängt: der berufliche Erfolg, die gesellschaftliche Anerkennung und, vor allem, die spätere finanzielle Sicherheit, wenn nicht gar der erhoffte Reichtum als Maß aller Dinge. Das gilt uneingeschränkt für die jungen Männer, denn die meisten Frauen streben auch 2011 den Grad eines Bachelors lediglich an, um ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt deutlich zu erhöhen.

Professoren und...

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