Show Less
Restricted access

In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

Series:

Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
Show Summary Details
Restricted access

2011 Hué, die Kaiser und die Moderne

← 364 | 365 →2011

Extract

Hués Geschichte hätte wechselvoller und mörderischer nicht sein können. Die Stadt, in der Mitte Vietnams gelegen, wurde 1801 vom feudalen Herrscher Nguyen Anh, der nach dem Sieg der rivalisierenden Tay Son im Süden über die Thrinh-Stämme im Norden aus dem Bangkoker Exil zurückgekehrt war, zur neuen Hauptstadt erklärt. Einstmals Phu Xuan genannt, hatten dort bereits 1867 Nguyens Vorfahren eine riesige Zitadelle am Ufer des Parfüm-Flusses errichtet: Sie bildete den Rahmen für den jetzt errichteten Kaiserpalast (Hoang Thanh) und die Verbotene Stadt (Tu Cam Thanh), streng angelehnt an das Vorbild Peking. Das Reich der Ming-Kaiser war das Beispiel schlechthin.

Um das seit langer Zeit in Fehden zerstrittene Land zu einen, baute Nguyen Anh eine starke Militärmacht auf, bezeichnenderweise unterstützt vom französischen Missionar Pigneau de Behaine, der ihm Söldner und moderne Feuerwaffen aus Frankreich heranschaffte. Daneben aber änderte der Feudalherr seinen Namen und nannte sich fortan Kaiser Gia Long: Gia von Gia Dinh, später Saigon, und Long von Thang Long, heute Hanoi. Die beiden Hauptstädte der rivalisierenden Tay Son und Thrinh sollten im Kaiser, dem Symbol der Verbindung von Himmel und Erde, geeint werden.

Frankreichs Einfluss in Vietnam war damit begründet.

Gia Long folgten zwölf Kaiser, doch bereits sein Sohn Minh Mang (1820-1841) setzte mit einem Feldzug gegen das Königreich von Siam, heute Thailand, den gerade errungenen Frieden auf’s Spiel. Vierzehn Jahre währte der Krieg mit...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.