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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2011 Brasilianische Reflexionen

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Der Goldman-Sachs-Manager Jim O`Neill prägte vor Jahren den Begriff der BRIC-Staaten. Seither werden Brasilien, Russland, Indien und China unter dieser Gruppe zusammengefasst: als neuer Machtfaktor einer multipolaren Welt. Brasilien versteht sich seitdem als neues Schwergewicht nicht nur innerhalb der G20-Nationen. Die Wirtschaft des Riesenlandes hat sich, zumal unter Präsident Lula, rasant entwickelt; die Wachstumsraten sind beeindruckend. Die Finanzeliten verdienen daran immens; allgemein ist eine, wenngleich schwache, Zunahme der Einkommen im Land zu erkennen: Viele Brasilianer reisen, nicht ohne Häme, zum Konkurrenten Argentinien, um dort preiswert einzukaufen. Freilich ist ein Großteil der Bevölkerung, zumal im Norden, vom Wohlstand abgeschieden: In Belem und Iquitos herrschen unverändert Armut, Wassernot und Stromausfall, gibt es schlechte Schulen und heruntergekommene Krankenhäuser.

Brasilien ist teuer geworden: Die Preise haben auf breiter Front angezogen und viele Bürger brauchen drei Anstellungen, um überleben zu können. Der Verfall des Euros tut ein Übriges, um dem Touristen das Leben zu erschweren. Die Exportnation Deutschland hingegen frohlockt; seit Jahrzehnten hat die deutsche Wirtschaft keine derartigen Wachstumsraten hierzulande zu verzeichnen. In Sao Paulo gibt es heute mehr deutsche Firmen als in München!

Die Kehrseite des immensen Wirtschaftswachstums im Lande am Zuckerhut aber zeigt sich allenthalben, am dramatischsten wiederum im Norden. Am Rio Xingu, einem der Nebenflüsse des Amazonas, soll in brasilianisch-globalstrategischer Verschwörung der drittgrößte Staudamm der Welt entstehen und Energie in großem Stil liefern. In der Megastadt Sao Paulo kümmert es die Wirtschaftseliten wenig,...

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