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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2012 Im Land der Morgenstille

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Ein schönes Bild: das Innehalten vor dem Anbrechen des neuen Tages. So versteht sich Korea nördlich und südlich des 38. Breitengrades. Im Norden, den der Besucher – so erzählt ein Freund – am furchterregenden Kontrollpunkt Panmunjeong in der Ferne ausmacht und einen Schritt in das „Reich des Bösen“ wagt, mag das stimmen: freilich um den Preis von Führerkult und Hungersnöten. Ob das neue Regime unter Kim Jong Un Besserungen für das Volk schaffe, bleibe abzuwarten. Im Süden beschreibt die Metapher die Wirklichkeit mitnichten: Keineswegs lediglich in der 15-Millionen Metropole Seoul brandet der Verkehr, schießen unwirtliche Wohnbauten aus dem Boden und hasten die Menschen durch die Straßen.

Doch bereits der zweite Eindruck relativiert alles: In Wahrheit fließt der Verkehr, verglichen mit Nachbarmetropolen wie Beijing, Hanoi oder Bangkok, ruhig dahin, sind die Autofahrer diszipliniert, die Fußgänger keineswegs aggressiv. Koreaner sind gemeinhin ausgesprochen höfliche Menschen mit guten Umgangsformen: im Privaten wie auch im Geschäftlichen. Buddhismus und, mehr noch, Konfuzianismus prägen das Leben: Ein maßvolles Benehmen beschert weder dem Sprecher noch dem Gesprächspartner Gesichtsverlust und ist daher das eigentliche Ziel.

Angenehm auch ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit auf durchaus ehrlicher Grundlage. China liegt zwar vor der Tür, doch die dortige Art, den Fremden zu überlisten, sein Wissen und seine Werke zu plagiieren und den Weltmarkt mit Ramschware oder hochsubventionierten Solarzellen zu überschwemmen, ist den Koreanern eher fremd – und dies keineswegs nur wegen...

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