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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2013 Lieux de mémoire

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Es war ein besonderer Geburtstag: nicht nur, weil es der siebzigste war. Gefeiert wurde in der Mendelssohn-Remise in Berlins Mitte, unweit des Gendarmenmarktes. Dort, zwei Häuser entfernt von der Jägerstraße 51, hatte einst Rahel Varnhagen van Ense ihren Literarischen Salon den Dichtern, Künstlern und Wissenschaftlern geöffnet, dort wurde aufklärerisch gedacht, erzählten die Brüder von Humboldt von ihren wissenschaftlichen Entdeckungen und großen Reisen, dort waren Juden gleichberechtigt.

Nun also eine Lesung zu Ehren von Christa Wolf und Thomas Brasch: Beider Texte – Ein Tag im Jahr und Der schöne 27. September - waren alles andere denn lediglich eine Einstimmung auf die nachfolgende Geburtstagsfeier. Beide hatten mit ihrem kleinen Land gerungen, hatten mit der Staatspartei SED gestritten, hatten Depressionen ausgestanden. Sie blieb, er ging in den Westen, wo er nicht ankam. Später, nach dem Mauerfall, sahen sie sich wieder und schwiegen sich doch an. Er starb 2001, von Drogen zerrüttet, sie folgte zehn Jahre später. Am Dorotheenstädtischen Friedhof fanden sie ihre letzte Ruhestätte, nur wenige Meter voneinander entfernt. Braschs Vers bleibt unauslöschbar im Gedächtnis:

Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber

wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber

die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber

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