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Kritikfiguren / Figures de la critique

Festschrift für Gérard Raulet zum 65. Geburtstag / En Hommage à Gérard Raulet

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Edited By Olivier Agard, Manfred Gangl, Françoise Lartillot and Gilbert Merlio

Diese Festschrift, die Gérard Raulet zu seinem 65. Geburtstag gewidmet ist, will den Dank des engeren Kreises seiner Kollegen und Schüler zum Ausdruck bringen, die von seiner Lehre und vom wissenschaftlichen Austausch mit ihm, insbesondere im Rahmen der von ihm 1982 gegründeten Groupe de recherche sur la culture de Weimar an der Maison des Sciences de l’Homme in Paris, entscheidende Anregungen erfahren haben. Die hier versammelten 27 Beiträge können nur einen bescheidenen Ausschnitt aus dem umfassenden Forschungsfeld widerspiegeln, das ihm zu seiner internationalen Anerkennung als Germanist, Ideengeschichtler und Philosoph verholfen hat.


Ce volume d’hommage dédié à Gérard Raulet à l’occasion de son soixante-cinquième anniversaire exprime la reconnaissance du cercle proche des collègues et élèves qui ont pu bénéficier de son enseignement et des échanges scientifiques entretenus avec lui, notamment au sein du Groupe de recherche sur la culture de Weimar qu’il a créé dès 1982 auprès de la Maison des Sciences de l’Homme de Paris. Les 27 contributions qui y sont réunies s’efforcent de donner un modeste reflet de l’immense champ des recherches qui lui a valu sa réputation internationale de germaniste, d’historien des idées et de philosophe.

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Cliffhanger der Unzeit. Drei Zeiten, drei Transformationen Walter Benjamins „Erfahrung und Armut“: Helmut Lethen

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„Die Gegenwart bestimmt an dem Gegenstand der Vergangenheit, wo seine Vor- und Nachgeschichte in ihm auseinandertreten, um seinen Kern einzufassen.“ (v, 596)“1

Es ist rätselhaft, warum ich im Wintersemester 1960/61 als Student der Bonner Universität, nachdem ich im Transistorradio eine Sendung des WDR gehört hatte, in der der kurz zuvor aus der DDR geflohene Schriftsteller Gerhard Zwerenz einige Passagen aus dem Essay „Der Erzähler“ von Walter Benjamin las, aus dem Bett sprang, die Buchhandlung Bouvier aufsuchte und die Buchhändlerin in Verlegenheit brachte.2 Nein, der Name Walter Benjamin sei ihr nicht bekannt. Sie versuche aber, den von mir genannten Band Illuminationen vom Großhändler zu bestellen. Wie konnte der Funke aufgrund einiger Zeilen über Nikolai Leskow aus dem Radio auf mich überspringen? Was ich hörte, war eine Droge. Aber ich kann nicht mehr rekonstruieren, was der Wirkstoff war, der mich unter Strom setzte. Waren es die Zeilen, in denen die „Geburtskammer des Romans“, das Individuum in seiner Einsamkeit beschrieben wird, das sich „über seine wichtigste Anliegen nicht mehr exemplarisch auszusprechen vermag, selbst unberaten ist und keinen Rat geben kann. Einen Roman schreiben, heißt, in der Darstellung des menschlichen Lebens das Inkommensurable auf die Spitze treiben“. Gut, ich hatte die Theorie des Romans von Georg Lukács gelesen und könnte Anklänge daran wiedererkannt haben. Benjamin selbst verweist darauf, wenn ← 71 | 72 → er in der Melancholie des Romans eine „Form der transzendentalen Heimatlosigkeit“3 erkennt. Mit diesen Sätzen konnte...

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