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Kritikfiguren / Figures de la critique

Festschrift für Gérard Raulet zum 65. Geburtstag / En Hommage à Gérard Raulet

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Edited By Olivier Agard, Manfred Gangl, Françoise Lartillot and Gilbert Merlio

Diese Festschrift, die Gérard Raulet zu seinem 65. Geburtstag gewidmet ist, will den Dank des engeren Kreises seiner Kollegen und Schüler zum Ausdruck bringen, die von seiner Lehre und vom wissenschaftlichen Austausch mit ihm, insbesondere im Rahmen der von ihm 1982 gegründeten Groupe de recherche sur la culture de Weimar an der Maison des Sciences de l’Homme in Paris, entscheidende Anregungen erfahren haben. Die hier versammelten 27 Beiträge können nur einen bescheidenen Ausschnitt aus dem umfassenden Forschungsfeld widerspiegeln, das ihm zu seiner internationalen Anerkennung als Germanist, Ideengeschichtler und Philosoph verholfen hat.


Ce volume d’hommage dédié à Gérard Raulet à l’occasion de son soixante-cinquième anniversaire exprime la reconnaissance du cercle proche des collègues et élèves qui ont pu bénéficier de son enseignement et des échanges scientifiques entretenus avec lui, notamment au sein du Groupe de recherche sur la culture de Weimar qu’il a créé dès 1982 auprès de la Maison des Sciences de l’Homme de Paris. Les 27 contributions qui y sont réunies s’efforcent de donner un modeste reflet de l’immense champ des recherches qui lui a valu sa réputation internationale de germaniste, d’historien des idées et de philosophe.

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Gottfried Benn und Frankreich: Manfred Gangl

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In seiner Rede auf Heinrich Mann, die Gottfried Benn 1931 zu dessen sechzigstem Geburtstag hielt, lobt er noch seine künstlerische Strenge als „Gegenzug der Ordnung, der räumlich-geistigen Ordnung, der erarbeiteten Formen, der Gestalt, der Diesseitigkeit, der Latinität“ gegenüber dem „Verklärten, Verschwärmten, Schwammigen des deutschen Geistes“.1 Er will in Heinrich Manns Werk – indem er bewusst dessen politisches Engagement unterschlägt2 – nur die „primäre geistige Latinität“3 sehen, die darin zum Ausdruck komme, das geistige Erbe eines Gustave Flaubert und die Größe des französischen Stils. In seinen wenigen Arbeiten, in denen er sich direkt auf Frankreich bezieht, in den Reiseberichten mehrerer Aufenthalte in Frankreich, in “Paris” (1925) und “Frankreich und Wir” (1929), hatte er bereits ← 123 | 124 → emphatisch seine Bewunderung für die Strenge der französischen Form bekundet.4 Denn dieses Verlangen nach Form präge jeden einzelnen Franzosen und durchziehe die gesamte Nation, hier kämpfe „die Ordnung gegenüber der Schwammigkeit, die Klassizität gegenüber dem Verschwärmten, die Tradition gegen die Anarchie“.5 Unter dem Blickwinkel dieser „Antithese franco-allemande“6 gerinnt ihm die kleinste Geste zur Ausdrucksform des französischen Wesens, „in jedem Atem, in jedem Oui, in jedem Non“7 sieht er das französische Formverlangen am Werke, in jedem Bauwerk hat es sich materialisiert. Und krasser kommt der französisch-deutsche Gegensatz nicht zum Ausdruck als im Gegensatz der Hauptstädte: „hier“ – in Paris – „trieb unser Erdteil Frucht und Blüte, als noch Wälder Berlin...

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