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Kritikfiguren / Figures de la critique

Festschrift für Gérard Raulet zum 65. Geburtstag / En Hommage à Gérard Raulet

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Edited By Olivier Agard, Manfred Gangl, Françoise Lartillot and Gilbert Merlio

Diese Festschrift, die Gérard Raulet zu seinem 65. Geburtstag gewidmet ist, will den Dank des engeren Kreises seiner Kollegen und Schüler zum Ausdruck bringen, die von seiner Lehre und vom wissenschaftlichen Austausch mit ihm, insbesondere im Rahmen der von ihm 1982 gegründeten Groupe de recherche sur la culture de Weimar an der Maison des Sciences de l’Homme in Paris, entscheidende Anregungen erfahren haben. Die hier versammelten 27 Beiträge können nur einen bescheidenen Ausschnitt aus dem umfassenden Forschungsfeld widerspiegeln, das ihm zu seiner internationalen Anerkennung als Germanist, Ideengeschichtler und Philosoph verholfen hat.


Ce volume d’hommage dédié à Gérard Raulet à l’occasion de son soixante-cinquième anniversaire exprime la reconnaissance du cercle proche des collègues et élèves qui ont pu bénéficier de son enseignement et des échanges scientifiques entretenus avec lui, notamment au sein du Groupe de recherche sur la culture de Weimar qu’il a créé dès 1982 auprès de la Maison des Sciences de l’Homme de Paris. Les 27 contributions qui y sont réunies s’efforcent de donner un modeste reflet de l’immense champ des recherches qui lui a valu sa réputation internationale de germaniste, d’historien des idées et de philosophe.

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Physiologie als Poetologie Storms “Begegnung” und Baudelaires “À une passante” im Spannungsfeld von Poesie und Wissen, Poesie und Prosa: Georges Felten

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Wohl geblendet von der offensichtlichen Prädominanz des Paradigmas der lyrischen Poesie und den autonomieästhetischen Absichtserklärungen vieler kanonischer Dichter, hat die Literaturgeschichtsschreibung die im 19. Jahrhundert durchaus fortbestehende Gattung der Wissenschaftslyrik stets mit erstaunlicher Beharrlichkeit totgeschwiegen. Erst die jüngere Forschung hat damit begonnen, dieses Zerrbild zu korrigieren.2 Der vorliegende Beitrag zielt auf eine etwas anders gelagerte Verbindung von Poesie und Wissen ab. Wie ich beispielhaft zeigen möchte, finden sich sogar in der lyrischen Poesie – d. h. in der literarischen Gattung, die mehr als alle anderen einer rein ‘systemimmanenten’, innerliterarischen Entwicklungslogik zu gehorchen scheint –, Spurenelemente der im 19. Jahrhundert zur wissenschaftlichen Leitdisziplin avancierenden Physiologie bzw. des populärwissenschaftlichen hygienischen Wissens, in dem sich neue physiologische und ältere, humoralpathologische Vorstellungen zur Sexualität auf vielfache Weise überlagern; Spurenelemente von Redeweisen also, die die « moderne Art des Sprechens über den eigenen Körper – den Körper des Subjekts »3 auf entscheidende Weise geprägt haben.

Um die Streubreite dieses Phänomens zu unterstreichen, beziehe ich mich exemplarisch auf zwei Dichter, die man gewöhnlich als Antipoden präsentiert: auf Theodor Storm, der sich selbst als letzter Stimmungslyriker, als ← 177 | 178 → letzter wahrer Dichter empfand4, und Baudelaire, in dem man gemeinhin den Gründungsvater der modernen Lyrik erblickt. Als Textbasis dienen zwei Gedichte, die sich aufgrund ihrer thematischen Ähnlichkeit für einen Vergleich anbieten: Das berühmte Sonett “À une passante” und der schlichte Vierzeiler “Begegnung” schildern beide die flüchtige Begegnung zwischen einem männlichen Ich und einem...

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