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Kritikfiguren / Figures de la critique

Festschrift für Gérard Raulet zum 65. Geburtstag / En Hommage à Gérard Raulet

Series:

Olivier Agard, Manfred Gangl, Françoise Lartillot and Gilbert Merlio

Diese Festschrift, die Gérard Raulet zu seinem 65. Geburtstag gewidmet ist, will den Dank des engeren Kreises seiner Kollegen und Schüler zum Ausdruck bringen, die von seiner Lehre und vom wissenschaftlichen Austausch mit ihm, insbesondere im Rahmen der von ihm 1982 gegründeten Groupe de recherche sur la culture de Weimar an der Maison des Sciences de l’Homme in Paris, entscheidende Anregungen erfahren haben. Die hier versammelten 27 Beiträge können nur einen bescheidenen Ausschnitt aus dem umfassenden Forschungsfeld widerspiegeln, das ihm zu seiner internationalen Anerkennung als Germanist, Ideengeschichtler und Philosoph verholfen hat.


Ce volume d’hommage dédié à Gérard Raulet à l’occasion de son soixante-cinquième anniversaire exprime la reconnaissance du cercle proche des collègues et élèves qui ont pu bénéficier de son enseignement et des échanges scientifiques entretenus avec lui, notamment au sein du Groupe de recherche sur la culture de Weimar qu’il a créé dès 1982 auprès de la Maison des Sciences de l’Homme de Paris. Les 27 contributions qui y sont réunies s’efforcent de donner un modeste reflet de l’immense champ des recherches qui lui a valu sa réputation internationale de germaniste, d’historien des idées et de philosophe.

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Zuhause unbehaust Eine oikologische Lektüre von Franz Kafkas „Der Bau“: Hans Rainer Sepp

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„Ich habe den Bau eingerichtet und er scheint wohlgelungen.“1

Mit diesem Satz beginnt Kafkas späte, Ende 1923 entstandene Erzählung „Der Bau“.2 Der gesamte Text besteht im Wesentlichen aus dem monologisierenden Bericht eines unterirdischen Höhlenbewohners, der sich hier sein Zuhause erbaut hat. Mit seinem Bau hat dieser Hausbesitzer, offenkundig ein Tier, im Lauf der Jahre einen eigenen Lebensraum, einen oikos, geschaffen. Er hat sein Ziel erreicht – und zugleich doch nicht: Es gäbe zur völligen Absicherung seines Heims noch so Vieles zu tun. Dementsprechend bringt der Monolog die Befürchtungen zum Ausdruck, dass das, was für den Fortbestand dieses Habitats entscheidend ist, noch gar nicht in Angriff genommen wurde, wobei die Selbstvorwürfe immer wieder von Anläufen der Selbstbeschwichtigung unterbrochen werden.

Auch diese Erzählung Kafkas hat dazu herausgefordert, die angedeuteten Bezüge zu interpretieren. Dieser Weg wird im Folgenden nicht eingeschlagen. Es interessiert hier nicht, was das Gesagte bedeutet, sondern was es ist, was es selbst zum Ausdruck bringt. Kafkas Text führt ein Zuhausesein, ein Im-Haus-sein vor, so dass die erste Frage dahin gehen sollte, wie diese oikologische Situation in Erscheinung tritt. Sie zeigt sich darin, dass sie grundlegende Momente eines Existenzvollzugs offenbart. Und um die Freilegung dieser Momente soll es hier gehen. Davor sollen jedoch Ansatz und Anliegen einer oikologischen Philosophie kurz umrissen werden.3

Oikologisches Denken transformiert existenzphilosophische Fragestellungen und solche der philosophischen Anthropologie, indem es sich primär nicht mehr am Sein des...

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