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Verzauberte und unverzauberte Welten

Studien zum polnischen und deutschsprachigen Volksmärchen

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Katarzyna Grzywka-Kolago

Die in diesem Buch versammelten Beiträge deuten auf die Vielschichtigkeit der Märchenproblematik hin und verweisen schnittpunktartig auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede in dem aus dem polnischen und dem deutschsprachigen Kulturkreis stammenden Forschungsmaterial. Im Fokus des Bandes stehen nicht nur unterschiedliche Aspekte der Märchenthematik (Helfer, Natur, Sachwelt, Raum, Sprechen, Musizieren, Bestrafen im Märchen), sondern auch die polnischen und deutschsprachigen Märchensammler und -forscher, besonders die Brüder Grimm, Oskar Kolberg, Max Lüthi und Julian Krzyżanowski. Eingegangen wird ferner auf das in Herman Grimms autobiographischen Texten gezeichnete Bild der Grimm-Familie sowie auf die kulturelle Bedeutung der am Anfang des 19. Jahrhunderts nach Warschau gekommenen Familie deutscher Abstammung namens Kolberg.
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3.3. Über zauberhafte Körperteile, Kleidungs- und Schmuckstücke sowie Möbel und andere Elemente der Innenausstattung in polnischen und deutschen Volksmärchen

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I

Das Volksmärchen lässt sich als Volkserzählung vom Menschen definieren, denn es spricht von ihm in all den möglichen Phasen seiner Entfaltung und berichtet somit von seinem Lebensweg, der ihn vom Kind über den pubertierenden Jugendlichen bis hin zum reifen Erwachsenen und vom Leben Abschied nehmenden Greis führt. Einen konstitutiven Bestandteil dieser mit harten Prüfungen verbundenen Existenz des menschlichen Helden machen seine Kontakte mit der Zauberwelt aus, deren Präsenz im Märchen so natürlich ist wie die Selbstverständlichkeit, womit der Menschenheld sie annimmt und sich mit ihrer Andersartigkeit abfindet, die für ihn eigentlich keine Andersartigkeit ist, denn „die Menschen des Märchens, Helden wie Unhelden, verkehren mit d[…]en Jenseitigen, als ob sie ihresgleichen wären. Ruhig und unerschüttert nehmen sie ihre Gaben in Empfang oder schieben sie beiseite, lassen sich von ihnen helfen oder kämpfen mit ihnen, und dann gehen sie ihren Weg weiter. Ihnen fehlt“, wie es Max Lüthi formuliert, „das Erlebnis des Abstandes zwischen sich und jenen andern Wesen. Sie sind ihnen wichtig als Helfer und Schädiger, aber nicht interessant als Erscheinung. […] ← 182 | 183 → [K]eine Verwunderung und kein Zweifel regt sich im Beschenkten; er probiert die Wunderdinge nicht aus, sondern verwendet sie erst, wenn er sie nötig hat, und das ist in den meisten Märchen für jedes Wunderding nur ein einzigesmal der Fall; nachher wird es nicht mehr gebraucht und nicht mehr erwähnt – es...

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