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Dritthaftung für Kunstexpertisen und Aufnahmebestätigungen in den Catalogue raisonné

Ein Beitrag zur Expertenhaftung

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Patrick Ehinger

Diese Arbeit setzt sich mit dem Problem der Dritthaftung von Gutachtern am Beispiel fehlerhafter Kunstexpertisen und Aufnahmeentscheidungen in den Catalogue raisonné auseinander. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Voraussetzungen und die Reichweite der Vertrauenshaftung auf der Grundlage von §§ 280 Abs. 1, 241 Abs. 2 i.V.m. § 311 Abs. 3 S. 2 BGB. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Bestimmung der Sorgfaltspflichten des Kunstexperten und des Werkverzeichners bei der Begutachtung von Kunstwerken, wobei das komplexe Verhältnis der unterschiedlichen Erkenntnisquellen und Untersuchungsmethoden zueinander analysiert und die Frage der Haftung für verschiedene Fallkonstellationen praxisnah betrachtet wird.
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Kapitel 3. Lösungsmodelle der Dritthaftung für fehlerhafte Gutachten in Literatur und Rechtsprechung

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Kapitel 3. Lösungsmodelle der Dritthaftung für fehlerhafte Gutachten in Literatur und Rechtsprechung

Das dogmatische Fundament der Dritthaftung für fehlerhafte Gutachten ist in Rechtsprechung und Literatur heftig umstritten und bereits Gegenstand zahlreicher Beiträge und Abhandlungen gewesen, sowohl vor als auch nach der Schuldrechtsreform.178 Ursächlich für diese Diskussion ist primär das Fehlen eines ausdrücklich geschlossenen Vertrages sowie oftmals sogar eines direkten Kontaktes zwischen dem Experten und dem Geschädigten, der auf die Richtigkeit des Gutachtens vertraut und auf dieser Grundlage Vermögensdispositionen getroffen hat. Bezogen auf den Kauf eines unechten Kunstobjekts, zieht diese Konstellation folgenden Interessenkonflikt nach sich:

Der Auftraggeber des Gutachters hat zwar gegen den Gutachter im Falle des Verschuldens einen vertraglichen Schadensersatzanspruch wegen der Verletzung vertraglicher Pflichten aus Werkvertrag. Ist der Auftraggeber jedoch der Verkäufer, entsteht der Schaden typischerweise nicht bei ihm, sondern bei dem Käufer des Kunstwerks. Für diesen können zwar deliktische Schadensersatzansprüche nach den §§ 823 Abs. 2, 826 BGB in Betracht kommen, sie gewähren jedoch im Verhältnis zur vertraglichen Schadenshaftung nur einen sehr viel beschränkteren Vermögensschutz, da nicht jede rechtswidrig und schuldhaft verursachte Vermögensschädigung zu einem deliktischen Schadensersatzanspruch führt.

Zur Entschärfung dieses für die Expertenhaftung typischen Interessenkonflikts wurden daher, insbesondere vor der Schuldrechtsreform 2002, zahlreiche Lösungsmodelle in Rechtsprechung und Literatur entwickelt, die sich des ← 49 | 50 → Problems annehmen. Im Fokus steht dabei immer das Bemühen, den bezeichneten Interessenkonflikt...

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