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Arthur Stadthagen – Ausgewählte Reden und Schriften 1890–1917

Holger Czitrich-Stahl

Das Buch befasst sich eingehend mit Arthur Stadthagen (1857–1917), der als erster sozialdemokratischer Jurist im Deutschen Reichstag am Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) mitwirkte. In seinen «Ausgewählten Reden und Schriften 1890–1917» wird sein politisches Wirken für eine demokratische Justiz, für soziale Gerechtigkeit und ein fortschrittliches Arbeitsrecht, für Frieden und gegen Militarismus, für eine fortschrittliche Sozialdemokratie und für demokratischen Sozialismus deutlich. Die von Czitrich-Stahl ausgewählten Reden, Schriften und Briefe geben einen repräsentativen Überblick über Stadthagens gesamte Schaffensbreite als «Anwalt der Armen und Rechtslehrer der Arbeiterbewegung» und dokumentieren sein Wirken als Politiker, Jurist und Parteirepräsentant der Sozialdemokratie im Kaiserreich Wilhelms II.
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6. Reichstagsrede zum Etat der Militärjustizverwaltung am 6. Februar 1908

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Meine Herren, auch ohne dieses Geräusch weiß ich, daß jedem Tiere die Töne eigen sind, die seiner Natur entsprechen. Ich habe mich zum Worte gemeldet, um einen Fall vorzubringen, der deutlich macht, wie notwendig es ist, die Vorschrift des Militärstrafgesetzbuchs zu ändern, daß die Gendarmen den Militärgerichten und nicht den ordentlichen Gerichten unterstehen. Meine Herren, es handelt sich um einen feigen Mord, der durch einen Gendarmen begangen ist – allerdings „nur“ an einen Arbeiter, um mich des Jargons der Herren zu bedienen, die besonders gegen die Arbeiter gesinnt sind, einen feigen, hinterlistigen Mord, der gegenüber einem Arbeiter begangen ist, bei dem aber bisher das Militärgericht ein Einschreiten gegen den Mörder abgelehnt hat.

Der Vorfall selbst hat sich zu Stolpe ereignet.50 In der Nacht vom 22. zum 23. September51 gingen einige Leute nach Hause, nach Hohen Neuendorf zu. Im Dunkeln stieß einer einen von mehreren Gendarmen in Zivil, die gekneipt und sich auf dem Wege aufgestellt hatten, durch Zufall an. Man konnte sie nicht sehen, es war Nacht. Der Herr52 entschuldigte sich und ging ruhig weiter. Daraufhin liefen die Gendarmen, die möglicherweise etwas angetrunken waren – nach den Aussagen der Zeugen, die vernommen sind, glaube ich es nicht –, mit einem Male den Leuten nach und schlugen nun blindlings, der eine mit einem Stock, der andere mit einem Ochsenziemer, den er sich geliehen hatte – der Knüppel ist ihm nachher...

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