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Die Grenzen der Erkenntnis und dahinter

Zur Klärung der erkenntnistheoretischen Grundlage des religiösen Glaubens- Das System der Philosophie III

Abraham Ehrlich

Mit diesem letzten Band des Systems der Philosophie erreichen wir den Abschluss des systematischen Gedankengangs, der uns zum vertieften Verständnis des Wesens der Philosophie führt. Dieser Abschluss ist jedoch kein Schlusspunkt; er soll uns zurück zum Ansatzpunkt der Philosophie führen. Denn nun müsste klar geworden sein, was man mitbringen muss, um den Weg des Lebens beschreiten zu können: die Einsicht, dass man in einer Wirklichkeit lebt, die man nicht geschaffen hat, und dass man nicht in deren Zentrum steht bzw. stehen kann. Es ist gleichzeitig die Einsicht, dass unsere eigentümliche Aufgabe darin besteht, uns in diese Wirklichkeit wesensmäßig zu integrieren. Damit ist die unbedingte, verbindliche persönliche Bereitschaft zur Selbstreflexion und Selbsterkenntnis wesentlich verbunden.
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I. Einleitendes: Zur Bedeutung der Beschäftigung mit Philosophie

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1. Ich möchte mit einer Kurzgeschichte von Tolstoi beginnen, die für die Philosophie, wie ich sie verstehe, und für die Bedeutung der Beschäftigung mit ihr allegorisch ist. Diese Geschichte erzählt von zwei Klosterbrüdern, die davon gehört haben, dass in einem fernen Land ein Turm steht, an dessen Spitze sich eine Tür befindet, die zum Himmelreich führt. Da sie sich selbst, wie auch das Leben ernst nahmen, machten sie sich auf den Weg und scheuten dabei keine Mühe und kein Leid, um ihr Ziel aller Ziele zu erreichen. Endlich standen sie vor dem Turm und fanden in ihm auch die legendäre Tür. Voller Aufregung öffneten sie die Tür – und fanden sich in ihrer Klosterzelle wieder.

Ich weiß nicht, was Tolstoi mit dieser Erzählung sagen wollte. Für mich jedenfalls ist die Lehre daraus klar: Irdisch-Sein: Irdisch-Sein, das zeigt natürlich die Grenze des Menschen. In seinem Irdisch-Sein liegt aber auch seine Größe. Die Grenze besteht darin, dass es in der Welt Kräfte und Ereignisse gibt, die den Menschen daran hindern, vollkommen zu sein und vollkommen zu leben.

Und doch hat sich der Mensch in dieser Welt voller Leid und Enttäuschungen zu bewähren. Und darin besteht seine Größe. Am deutlichsten – und das nur nebenbei bemerkt –, am deutlichsten kann der Mensch seine Grenze wie seine Größe in dem erfahren, was man die reine und selbstlose Liebe nennt....

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