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Die Grenzen der Erkenntnis und dahinter

Zur Klärung der erkenntnistheoretischen Grundlage des religiösen Glaubens- Das System der Philosophie III

Abraham Ehrlich

Mit diesem letzten Band des Systems der Philosophie erreichen wir den Abschluss des systematischen Gedankengangs, der uns zum vertieften Verständnis des Wesens der Philosophie führt. Dieser Abschluss ist jedoch kein Schlusspunkt; er soll uns zurück zum Ansatzpunkt der Philosophie führen. Denn nun müsste klar geworden sein, was man mitbringen muss, um den Weg des Lebens beschreiten zu können: die Einsicht, dass man in einer Wirklichkeit lebt, die man nicht geschaffen hat, und dass man nicht in deren Zentrum steht bzw. stehen kann. Es ist gleichzeitig die Einsicht, dass unsere eigentümliche Aufgabe darin besteht, uns in diese Wirklichkeit wesensmäßig zu integrieren. Damit ist die unbedingte, verbindliche persönliche Bereitschaft zur Selbstreflexion und Selbsterkenntnis wesentlich verbunden.
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VI. Zur Bedeutung der Mystik und der mystischen Erfahrung

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1. „Es gibt Worte“, schreibt Karl Rahner, „in denen sich das Wissen, die Hoffnung und die Liebe, die Ideale ganzer Generationen und Jahrhunderte sammeln, Worte, die alles auf einmal sagen wollen, was den Menschen bewegt, und die, weil sie alles sagen wollen, immer in Gefahr sind, alles und so nichts zu bedeuten. Solche Worte waren z.B. in der Geschichte der abendländischen Menschheit: Logos, Aufklärung, Geist, Volk und andere. Und zu diesen gehört auch das Wort Mystik. Auch das ist eines der Worte, in denen der Mensch alles zu fassen sucht, was er glaubt und was er sein will. Es hat dem Dichter der Upanischaden und dem Laotse, dem Plotin und dem sufitischen Frommen, einem Gregor von Nyssa, einem Paracelsus und einem Goethe etwas zu sagen. Aber was sagt denn dieses Wort noch, wenn es diesen allen etwas sagt?“9

Was dieses Wort wirklich sagt, darauf weist Karl Rahner selbst hin: „Der Fromme von morgen wird ein ‚Mystiker‘ sein, einer, der etwas ‚erfahren‘ hat, oder er wird nicht mehr sein, weil die Frömmigkeit von morgen nicht mehr durch die im voraus zu einer personalen Erfahrung und Entscheidung einstimmige, selbstverständliche öffentliche Überzeugung und religiöse Sitte aller mitgetragen wird, die bisher übliche religiöse Erziehung also nur noch eine sehr sekundäre Dressur für das religiöse Institutionelle sein kann. Die Mystagogie muß von der angenommenen Erfahrung der Verwiesenheit des Menschen auf Gott hin das richtige ‚Gottesbild‘ vermitteln, die Erfahrung, daß des...

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