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Die Grenzen der Erkenntnis und dahinter

Zur Klärung der erkenntnistheoretischen Grundlage des religiösen Glaubens- Das System der Philosophie III

Abraham Ehrlich

Mit diesem letzten Band des Systems der Philosophie erreichen wir den Abschluss des systematischen Gedankengangs, der uns zum vertieften Verständnis des Wesens der Philosophie führt. Dieser Abschluss ist jedoch kein Schlusspunkt; er soll uns zurück zum Ansatzpunkt der Philosophie führen. Denn nun müsste klar geworden sein, was man mitbringen muss, um den Weg des Lebens beschreiten zu können: die Einsicht, dass man in einer Wirklichkeit lebt, die man nicht geschaffen hat, und dass man nicht in deren Zentrum steht bzw. stehen kann. Es ist gleichzeitig die Einsicht, dass unsere eigentümliche Aufgabe darin besteht, uns in diese Wirklichkeit wesensmäßig zu integrieren. Damit ist die unbedingte, verbindliche persönliche Bereitschaft zur Selbstreflexion und Selbsterkenntnis wesentlich verbunden.
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VII. Der Weg nach innen

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1. Die Sammlung der gesamten Aufmerksamkeit auf den Menschen und auf sein Inneres hat ihren Ursprung darin, dass das Bewusstsein und die Erkenntnis ihre Quelle ausschließlich im Denken zu finden ist. Das Denken in seiner Ganzheit (das Denken als Wirkliches und das Denken überhaupt) führt uns zur Erkenntnis der Wirklichkeit und so ermöglicht es uns, unsere Stellung in ihr zu bestimmen.

Die Erkenntnis der Wirklichkeit („der Weg nach außen“) und die Selbst-Erkenntnis („der Weg nach innen“) sind zwei Richtungen derselben Gesamt-Erkenntnis der Wirklichkeit, was gleichzeitig vollzogen wird. Im Bereich der Religion ist es von großer Wichtigkeit, die beiden Richtungen in der Betrachtung voneinander zu trennen.

Meister Eckhart kann uns helfen, den Sinn dieser Trennung zu verstehen: „Fürwahr, es ist nicht genug, daß des Menschen Gemüt abgeschieden sei im Augenblick, da man sich Gott anschließen will; sondern man muß eine wohlgeübte Abgeschiedenheit haben, die voran und hinterher geht: dann erst vermag man große Dinge von Gott zu empfangen und Gott in diesen Dingen. Und ist man unbereit, zerstört man die Gabe und Gott in der Gabe. Das ist der Grund, warum Gott nicht allzeit geben kann, wie wir erbitten. Es fehlt nicht an ihm; denn ihm ist es tausendmal dringender zu geben, als uns zu nehmen. Aber wir tun ihm Gewalt und Unrecht an damit, daß wir ihn an seinem natürlichen Werk hindern mit unserer Unbereitschaft. Der Mensch soll lernen, bei allen Gaben...

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