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Die Grenzen der Erkenntnis und dahinter

Zur Klärung der erkenntnistheoretischen Grundlage des religiösen Glaubens- Das System der Philosophie III

Abraham Ehrlich

Mit diesem letzten Band des Systems der Philosophie erreichen wir den Abschluss des systematischen Gedankengangs, der uns zum vertieften Verständnis des Wesens der Philosophie führt. Dieser Abschluss ist jedoch kein Schlusspunkt; er soll uns zurück zum Ansatzpunkt der Philosophie führen. Denn nun müsste klar geworden sein, was man mitbringen muss, um den Weg des Lebens beschreiten zu können: die Einsicht, dass man in einer Wirklichkeit lebt, die man nicht geschaffen hat, und dass man nicht in deren Zentrum steht bzw. stehen kann. Es ist gleichzeitig die Einsicht, dass unsere eigentümliche Aufgabe darin besteht, uns in diese Wirklichkeit wesensmäßig zu integrieren. Damit ist die unbedingte, verbindliche persönliche Bereitschaft zur Selbstreflexion und Selbsterkenntnis wesentlich verbunden.
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VIII. „In deiner Liebe erschaffe ich mich neu“

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1. Dieser Ruf der Gertrud von Helfta an Gott31 macht uns darauf aufmerksam, wie stark gefühlsmäßig der Weg der Mystik geprägt ist: „Preise, meine Seele, den Ewigen, und all mein Innerstes seinen heiligen Namen.“32 Unsere Gottesliebe, aber auch die Liebe Gottes zu uns sind die stark gefühlmäßigen Ausdrücke der Annährung an Gott und des so genannten Eins-Seins mit Gott. Daraus folgen das absolute Gebot und die absolute Verbindlichkeit, das Leben danach zu lenken und in Betonung der Nächstenliebe als konkreter Ausdruck der Liebe zu Gott zu führen.

Insofern ist die Echtheit des Weges des Glaubens, der in der Mystik seinen Höhepunkt findet, an den moralischen Wirkungen erkennbar.

Wie oben schon erwähnt, ist das religiöse Bewusstsein einerseits von der Gewissheit geprägt, dass die eigentliche Sinnerfüllung und die eigentliche Seinserfüllung nur in Gott zu finden ist. Andererseits aber ist dieses Bewusstsein von der Gottesferne und von der darin zum Ausdruck kommenden Gewissheit der eigenen Nichtigkeit, der eigenen Armseligkeit, Unzulänglichkeit und Fehlbarkeit geprägt. Beide bestimmen die Voraussetzung für die Gemeinschaft des Menschen mit Gott.

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