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Die Grenzen der Erkenntnis und dahinter

Zur Klärung der erkenntnistheoretischen Grundlage des religiösen Glaubens- Das System der Philosophie III

Abraham Ehrlich

Mit diesem letzten Band des Systems der Philosophie erreichen wir den Abschluss des systematischen Gedankengangs, der uns zum vertieften Verständnis des Wesens der Philosophie führt. Dieser Abschluss ist jedoch kein Schlusspunkt; er soll uns zurück zum Ansatzpunkt der Philosophie führen. Denn nun müsste klar geworden sein, was man mitbringen muss, um den Weg des Lebens beschreiten zu können: die Einsicht, dass man in einer Wirklichkeit lebt, die man nicht geschaffen hat, und dass man nicht in deren Zentrum steht bzw. stehen kann. Es ist gleichzeitig die Einsicht, dass unsere eigentümliche Aufgabe darin besteht, uns in diese Wirklichkeit wesensmäßig zu integrieren. Damit ist die unbedingte, verbindliche persönliche Bereitschaft zur Selbstreflexion und Selbsterkenntnis wesentlich verbunden.
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IX. Zum Schluss des Systems: Was ist wahr?

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Das Leben eines Menschen stellt einen Weg dar. Ein Weg ist an sich nicht beliebig: Er muss geebnet werden. Die Alternative scheint leichter zu sein: Man geht schon geebnete Wege, oder man wird durch beliebige Kräfte frei gemachte Pfade geführt. Es gibt jedoch Momente im Leben eines Menschen, und seien diese nur sehr kurz, wo die Echtheit und die Authentizität des Lebens von großer Bedeutung sind. Dann kann es vorkommen, dass von innen her ein Drang spürbar wird, allen und allem zum Trotz echt zu sein und authentisch zu leben.

Konkret heißt das, dass von dem Moment an, an dem ein Mensch das Bedürfnis nach echtem Sinn für sein Leben verspürt, er den Drang verspürt, sich auf die Suche nach der Bestimmung dieses persönlichen Sinns seines Lebens zu begeben. Diese Suche ist jedoch nicht voraussetzunglos: Sie muss von dem Bewusstsein der absoluten Lebenswichtigkeit bestimmt und begleitet sein.

Die leitende, entscheidende Frage ist jedoch nicht: „Wer bin ich?“, sondern, „Was ist wahr?“. Die Frage nach der Wahrheit ist die Frage des Menschen. Denn ihre Klärung bedeutet die Bestimmung des Ganzen des Lebenszusammenhangs im Rahmen des Ganzen der Wirklichkeit. Die Lebensweisheit, die besagt, dass der Mensch seines Glückes Schmied ist, drückt diese umfassende Tatsache aus: Glück betrifft nicht bloß einige Momente des Lebens („Glücksmomemte“), sondern von Anfang an das Ganze des Lebens.

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