Show Less
Restricted access

Kulturmanöver

Das k.u.k. Kriegspressequartier und die Mobilisierung von Wort und Bild

Series:

Sema Colpan, Amália Kerekes, Siegfried Mattl and Magdolna Orosz

Der Band befasst sich mit dem k. u. k. Kriegspressequartier (KPQ), das von seiner Entstehung und Komplexität her unter den kriegsführenden Ländern des Ersten Weltkriegs einzigartig war. Die Aufsätze widmen sich zum einen jenen Maßnahmen, die das KPQ anordnete, leitete und kontrollierte. Dazu gehörten die Kriegsberichterstattung in journalistischen Frontberichten und fotografischen Dokumentationen, die Verarbeitung des Krieges mittels Malerei oder das Festhalten des Kriegsgeschehens mit der Filmkamera. Zum anderen bewerten die Autoren die Propagandamaßnahmen innerhalb eines breiteren Bezugsrahmens, und zwar mit Blick auf die alternativen Spielräume, die die zentralisierte Verwaltung gestattete. Als Vergleichsebenen werden außerhalb des Wirkungsbereichs des KPQ liegende Tendenzen des Kulturbetriebs herangezogen.
Show Summary Details
Restricted access

Alice Schalek. Standpunkte einer Kriegsberichterstatterin im Ersten Weltkrieg

Extract

| 65 →

Bernhard Bachinger

Alice Schalek Standpunkte einer Kriegsberichterstatterin im Ersten Weltkrieg

Dass Alice Schalek nicht im Nebelschleier der Historie verblasste und somit dem unweigerlichen Vergessen anheimfiel, verdankt sie kurioserweise v.a. Karl Kraus, ihrem größten Widersacher und Kritiker. Dieser Umstand ist allerdings ein zweischneidiges Schwert; denn die auf die Rolle der sensationslüsternen Kriegsberichterstatterin reduzierte Kunstfigur ›die Schalek‹ überschattete schon zu Lebzeiten das Andenken an die Persönlichkeit und das Lebenswerk des realen Vorbildes folgenschwer.1 So schien es doch »[v]ollends unfassbar […], dass die Alice Schalek – es war schon erstaunlich genug, dass sie je gelebt hatte – über den Weltkrieg und die ›Letzten Tage der Menschheit‹ hinaus vorhanden blieb und erst am 6. November 1956 in der Nähe von New York gestorben ist«.2

Der Name Alice Schalek, der hinsichtlich Karl Kraus’ Wirkmächtigkeit kaum mehr ein »längst jeder historischen Tätigkeit fern[es,] ganz und gar ein satirisches Modell«3 zu skizzieren vermochte, blieb noch lange ausschließlich mit dem literarischen Negativdenkmal konnotiert. Erst ab Ende der 1990er Jahre, als eine Ausstellung des Jüdischen Museums sich der Reisejournalistin und Fotografin annahm, rückte die reale Person Alice Schalek wieder in den Fokus.4 Vereinzelte Bemühungen lassen sich, vorwiegend unter der Prämisse der Geschlechterforschung, zeitlich auch schon früher ausmachen. Diese Arbeiten betonen vornehmlich Alice Schaleks Pionierleistungen für die Sache der Frau und lösten sie somit ← 65 | 66 → beiläufig erstmals von der literarischen Kunstfigur.5 Seit der...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.