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Kulturmanöver

Das k.u.k. Kriegspressequartier und die Mobilisierung von Wort und Bild

Series:

Sema Colpan, Amália Kerekes, Siegfried Mattl and Magdolna Orosz

Der Band befasst sich mit dem k. u. k. Kriegspressequartier (KPQ), das von seiner Entstehung und Komplexität her unter den kriegsführenden Ländern des Ersten Weltkriegs einzigartig war. Die Aufsätze widmen sich zum einen jenen Maßnahmen, die das KPQ anordnete, leitete und kontrollierte. Dazu gehörten die Kriegsberichterstattung in journalistischen Frontberichten und fotografischen Dokumentationen, die Verarbeitung des Krieges mittels Malerei oder das Festhalten des Kriegsgeschehens mit der Filmkamera. Zum anderen bewerten die Autoren die Propagandamaßnahmen innerhalb eines breiteren Bezugsrahmens, und zwar mit Blick auf die alternativen Spielräume, die die zentralisierte Verwaltung gestattete. Als Vergleichsebenen werden außerhalb des Wirkungsbereichs des KPQ liegende Tendenzen des Kulturbetriebs herangezogen.
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An der Modefront. Die Wiener Werkstätte als Propagandaunternehmen

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Siegfried Mattl

An der ModefrontDie Wiener Werkstätte alsPropagandaunternehmen

Eine der wenigen Fronten, an denen die Habsburgermonarchie Erfolge, ja – der Wahrnehmung der Protagonisten gemäß – sogar Durchbrüche verzeichnen konnte, war die Modefront. Diese Errungenschaften waren der urbanen Entwicklungslogik der Mode der Metropole Wien gutzuschreiben. Es war die »Wiener Mode«, die gegen Paris antrat und die kriegsbedingten Verschiebungen auf den Märkten nutzen sollte. Zwar war Mode aus Wien bereits im vergangenen Jahrhundert zu einem Begriff geworden, doch beschränkte sich die Wertschätzung vorwiegend auf die alltagstaugliche Adaption der Pariser Mode und auf Galanteriewaren. Im Zuge einer konzertierten Aktion von Bekleidungsindustrie, Gewerbe und Künstlern wurde nun jedoch der Pariser Haute Couture selbst der Konkurrenzkampf angesagt. Im Rückblick aus dem Jahre 1935 reklamierte der Bundeswirtschaftsrat Eduard Strauß, Direktorstellvertreter des Gewerbeförderungsinstituts der Wiener Handelskammer, die Initiative dazu für seine Institution. Das Gewerbeförderungsinstitut führte 1915 »die Kleidermacher mit den vielen anderen Gewerben in einer einheitlichen Organisation, der Wiener Modellgesellschaft, zusammen«.1 Deren Hauptzweck war, wie Strauß weiter ausführte, »die Erzeugung von Wiener Originalmodellen, also die Selbständigkeit der Wiener Mode«. Neben dem Versuch, die Wiener Mode durch die Vermittlung von Modellskizzen und -schnitten zu vereinheitlichen, strebte das Unternehmen die Propagierung eines kollektiven Erscheinungsbildes durch Frühjahrs- und Herbst-Modellschauen für ein Fachpublikum wie die Organisierung von Modeschauen für eine allgemeine Öffentlichkeit an.2 Das mag aus späterer Sichtweise als triviale und selbstverständliche Aktivität erscheinen, zieht man...

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