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Kulturmanöver

Das k.u.k. Kriegspressequartier und die Mobilisierung von Wort und Bild

Series:

Sema Colpan, Amália Kerekes, Siegfried Mattl and Magdolna Orosz

Der Band befasst sich mit dem k. u. k. Kriegspressequartier (KPQ), das von seiner Entstehung und Komplexität her unter den kriegsführenden Ländern des Ersten Weltkriegs einzigartig war. Die Aufsätze widmen sich zum einen jenen Maßnahmen, die das KPQ anordnete, leitete und kontrollierte. Dazu gehörten die Kriegsberichterstattung in journalistischen Frontberichten und fotografischen Dokumentationen, die Verarbeitung des Krieges mittels Malerei oder das Festhalten des Kriegsgeschehens mit der Filmkamera. Zum anderen bewerten die Autoren die Propagandamaßnahmen innerhalb eines breiteren Bezugsrahmens, und zwar mit Blick auf die alternativen Spielräume, die die zentralisierte Verwaltung gestattete. Als Vergleichsebenen werden außerhalb des Wirkungsbereichs des KPQ liegende Tendenzen des Kulturbetriebs herangezogen.
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»das K.P.Q. ins kühle Grab gesenkt«. Nachkriegsberichterstattung in den Werken von János Komáromi und Karl Hans Strobl

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Amália Kerekes

»das K.P.Q. ins kühle Grab gesenkt«Nachkriegsberichterstattung in den Werkenvon János Komáromi und Karl Hans Strobl

»Ich muß heute mit Beschämung gestehen«, schreibt Richard A. Bermann, der ehemalige Kriegsberichterstatter der Zeit in seiner Autobiografie 1939, »daß keiner von uns Schriftstellern im österreichischen Kriegspressequartier aus unserem großen gemeinsamen Erlebnis während des Krieges und danach ein Buch gemacht hat, das irgend Dauer hätte haben können«.1 Dass Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus als das einzig bleibende Dokument der Kriegspresse gelten wird, führt er dabei als selbstverständliche Erklärung für diesen Sachverhalt an, und ohne die möglichen Gründe weiter zu eruieren, deutet er lediglich darauf hin, dass das Selbstverständnis der Kriegsberichterstatter in dieser Zeit zugleich von der kritischen Aufnahme der Ausdifferenzierung des Journalistenberufes geprägt war.2 Angesichts der Vielzahl der Verbuchungen der Kriegsreportagen nach dem ersten Kriegsjahr lässt sich zwar Bermanns Diagnose relativieren, beachtet man jedoch die vergleichsweise geringe Zahl umfangreicher Selbstzeugnisse von Reportern und ihre kaum wahrnehmbare Präsenz in der ungarischen und österreichischen belletristischen Produktion in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts,3 so verdeutlicht sich einmal mehr das »niedrige Sozialprestige« der Presse und der Kriegsberichterstatter in dieser Region.4

Das Nahverhältnis zwischen dem Schriftsteller- und dem Journalistenberuf mag diesen Mangel an reflektierenden Bearbeitungen zumindest partiell erklären, als Vermeidungsstrategie, um das angeschlagene Image der Presse als Teil einer umfassenden Kapitalismuskritik...

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