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Selbstverortungen

Migration und Identität in der zeitgenössischen deutsch- und englischsprachigen Gegenwartsliteratur

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James Orao

Die gegenwärtige Migrationsliteratur befindet sich im Allgemeinen am Schnittpunkt diverser Komplexitäten, die ihre Wahrnehmung erheblich beeinflussen. Die Konstruktion von und Auseinandersetzung mit Fremdem und Eigenem und insbesondere mit Identität stehen daher im Vordergrund dieser Texte. Den Formen, die diese Auseinandersetzung annehmen kann, wird hier anhand von gegenwärtiger Migrationsliteratur aus Deutschland und Kanada vergleichend nachgegangen. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Figurationsmöglichkeiten von Identität und Migrationserfahrungen.
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1. Einführung und Problemstellung

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Die Emigrantenaugen [blicken] die Welt anders an, weil sie ja voll von Wunden, Brüchigkeit und Zwiespältigkeit sind. Die Emigrantenaugen sehen die Welt gespalten, und so wollen sie es auch ausdrücken.1

Eine Gegenüberstellung der deutsch- und englischsprachigen Migrationsliteratur – aus Deutschland und (dem englischsprachigen Teil von) Kanada – mag auf den ersten Blick nicht viel in Aussicht stellen. Die disparaten geografischen Lagen beider Länder, die unterschiedlichen Geschichten und die wesentlichen Unterschiede in den Migrationsdebatten und den politisch-rechtlichen Grundlagen der Migrationspolitik scheinen sich zunächst nicht für einen Vergleich anzubieten, stellen jedoch aufschlussreiche Anknüpfungspunkte bereit.2 Noch wichtiger ← 13 | 14 → ist, dass die zeitgenössische deutsch- und englischsprachige Migrationsliteratur aus Deutschland und Kanada der Dynamik der kulturellen Identifikationen und der Machtverhältnisse der jeweiligen Bezugsländer unterliegt. In dieser Konstellation wird eine ethnische und rassische Heterogenität verleugnet und die Literaturen werden demzufolge oft jenseits der etablierten Literatur positioniert.

Aufgrund der nationalen und soziokulturellen Politik und ebensolcher Besonderheiten weist diese Auflistung der gemeinsamen Nenner jedoch auch Abweichungen auf: Die unterschiedlichen Selbstverständlichkeiten der Nation und die verschiedenen politisch-rechtlichen Grundlagen bezüglich der Immigration in beiden Ländern sind in diesem Zusammenhang nennenswert (und werden in Kapitel 2 über den Stellenwert der deutsch- und englischsprachigen Migrationsliteratur behandelt). Doch es ist nicht nur der Migrationshintergrund, der diese Texte verbindet.

In einem Essay zeichnet Padolsky die Position kanadischer Migrationsliteratur am Schnittpunkt diverser Komplexitäten, die die Biografien – auch wenn er sie nicht zu bagatellisieren vermag...

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