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Leben und Lehre

Dogmatische Perspektiven auf lutherische Orthodoxie und Pietismus- Studien zu Gerhard, König, Spener und Freylinghausen

Tim Christian Elkar

Ist lutherische Orthodoxie mit toter Dogmatik und Pietismus mit reiner Frömmigkeit gleichzusetzen? Lange wurde dies so gesehen. Tatsächlich begegneten sich beide Richtungen in einer Orientierung auf die theologischen Grundkategorien von Leben und Lehre. Dies wird erstmalig in dieser dogmatischen Arbeit über die vier herausragenden Vertreter beider Richtungen nachgewiesen: Johann Gerhard, Johann König, Philipp Jakob Spener und Johann Anastasius Freylinghausen.
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C. Dogmatische Rahmenbedingungen

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Sowohl Gerhard und König als auch Spener und Freylinghausen erweisen sich in ihrer dogmatischen Lehre als maßgeblich von der Rechtfertigungslehre der Reformation beeinflusst. Dabei spielten sowohl Luthers Vorstellung der Rechtfertigung allein aus Glauben als auch Melanchthons forensische Rechtfertigungslehre eine wichtige Rolle.

Die Heilslehre der römischen Kirche bestand darin, dass Heilsgewissheit nur durch eine besondere Offenbarung möglich war, die Gott dem Einzelnen zuteil werden lässt, allerdings war jegliche Bitte darum verboten. Besonders betont wurden dabei die guten Werke als Notwendigkeit, um das Heil zu erlangen.334 Die exakte und scharfe Gerechtigkeit Gottes im Endgericht, die den Menschen nach der Lebensleistung „abrechnet“, erzeugte immer wieder Angst, so auch bei Luther.335 Soteriologie und Kirche werden so verknüpft, dass letztere das geschichtliche Unterpfand für die Hoffnung auf die Rettung im Endgericht ist.

Das Modell hat drei Schwachstellen, nämlich die Unsicherheit über Gottes Urteil, die Ungewissheit über den Wert des eigenen Lebens und den Umstand, dass ein Gottesverhältnis nur über die Kirche aufzubauen ist.336 In der Auseinandersetzung hiermit wuchs Luthers neue Lehre, der von einer großen systematischen Umstellung ausging, die sich so zusammenfassen lässt: Die Rechtfertigung ist ein Akt der Gerechtsprechung ← 71 | 72 → Gottes, der keiner Ergänzung bedarf.337 Luther betont, dass für die Rechtfertigung einerseits der Glaube und andererseits die Anerkennung der eigenen Sündhaftigkeit notwendig sind, beide Momente verschmelzen.338 Die eigene Sündhaftigkeit wird dem Menschen durch das Wort des Gesetzes vor Augen geführt.339 Das Wort des...

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