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Symbolon

Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e. V.

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Edited By Hermann Jung

Band 19 des Jahrbuchs SYMBOLON dokumentiert Vorträge aus unterschiedlichen Disziplinen, die bei den Jahrestagungen der Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e. V. 2009–2011 in Ludwigshafen/Rhein und Frankfurt/Main gehalten wurden. Folgende Themenkreise werden behandelt: «Symbole von Trauer und Hoffnung» (Liebeslied als Heimatlied, Tibetisches Totenbuch, Jakobsweg, Jenseitssymbolik, kunsthistorische Phänomene, Das Wunder von Marxloh – ein Moschee-Werbefilm, Symbolbildung und Grenzsituation, Requiem), «Symbole und Zeichen domestizierter Natur I. Das Haus» (Raum und Musik, private Räume des Selbst, die Aura eines Ortes, Schreine der Götter, Weltgehäuse), «II. Sakralbau und Garten» (das Haus Gottes, das Wilde und das Gezähmte im Mittelalter, Boschs Garten der Lüste, literarische Figurationen des Gartensymbols, der phantastische Garten, die Moschee, die Gärten der Hexen und weisen Frauen), weiterhin ein Beitrag zur 40-jährigen Geschichte der Symbolgesellschaft.
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Werner Heinz Schreine der Götter

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Werner Heinz

„Schreine der Götter“ finden sich wohl über die ganze Welt verteilt in analoger Fülle zu den Gottheiten, als da wären: Himmel und Erde, Flüsse und Meere, Sterne und Wolken, mit Zuständigkeiten für Geburt und Tod, Jagd und Ackerbau – um nur ganz wenige Phänomene zu nennen. Die Götter durchwalten als „Erster Beweger“ (nach Aristoteles) den Kosmos, und spätestens da stellt sich die Frage: Wozu braucht ein Gott überhaupt einen Schrein?

Die Schreine sind die Antwort des Menschen auf die Frage nach der Präsenz der Götter.1 Nur das in einem Schrein verwahrte Götterbild konnte mit Waschen, Kleiden, Ernähren usw. kultisch so verehrt werden, wie der Mensch es sich in Griechenland, in Ägypten oder wo auch immer vorstellte.

Den Christen erfüllt sich solche Präsenz durch Reliquien: Sie garantieren seit spätantiker Zeit2 die Vergegenwärtigung der Heiligen auf Erden.3 Denn deren Macht manifestiert sich nach mittelalterlicher Anschauung am Ort ihrer Überreste und nicht etwa in den Weiten des Himmels.4 So galten Reliquien gar als sakramental.5 Das ist umso erstaunlicher, als man im Urchristentum gar keine Reliquien gesammelt und z. B. das Grab des Stephanus als des wohl ersten christlichen Märtyrers nicht weiter beachtet hat.6

Bereits ab dem 6. Jh. geht man davon aus, dass zu einem Altar das Grab eines Heiligen oder zumindest Reliquien von ihm gehören. Nicht zuletzt um den Bedarf zu befriedigen, hat man...

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