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Verändern Gender Studies die Gesellschaft?

Zum transformativen Potential eines interdisziplinären Diskurses

Series:

Franz Gmainer-Pranzl, Ingrid Schmutzhart and Anna Steinpatz

Gender Studies haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als kulturwissenschaftlicher, interdisziplinärer und gesellschaftskritischer Diskurs etabliert. Sie analysieren die soziale und kulturelle Konstruktion von Geschlecht, kritisieren etablierte (meist unsichtbare) Machtstrukturen, die Diskriminierung und Ausschließungen produzieren, und beleuchten die Intersektionalität der Dimension Gender mit ethnischen, sozialen, politischen, ökonomischen und religiösen Lebensbereichen. Trotz hoher theoretischer Standards und eines differenzierten Problembewusstseins stellen sich den Gender Studies allerdings durch eingefahrene gesellschaftliche Spielregeln, ökonomische Vorgaben und diskursive Identitätskonstruktionen wirkmächtige Widerstände entgegen. Lassen sich kulturelle Logiken, die repressive und exkludierende Strukturen als natürlich ausgeben, überwinden? Verändern also Gender Studies die Gesellschaft? Eine interdisziplinäre Tagung an der Universität Salzburg setzte sich im November 2013 mit dieser Frage auseinander und zeigte aus der Perspektive unterschiedlicher Wissenschaften das gesellschaftsverändernde Potential der Gender Studies auf.
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Von der Frauenforschung zur Genderforschung. Gender Studies an der Universität Salzburg

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Ingrid Schmutzhart

Von der Frauenforschung zur Genderforschung Gender Studies an der Universität Salzburg

Um die Entwicklungsgeschichte der Frauen- und Geschlechterforschung nachvollziehen zu können, müssen wir zumindest bei Aristoteles beginnen. Aristoteles und seine Zeitgenossen sahen den Mann als das Maß aller Dinge und die Frau als das „unvollkommen Männliche“. Dieses teleologische Männlichkeitskonzept von „einem Geschlecht“, nämlich dem „vollkommen Männlichen“ bestätigte die männliche Herrschaft und Macht und damit verbunden die Diskriminierung der Frau. Die Trennung von Körper und Geist im Rationalismus des 17. Jahrhunderts – impulssetzend hierfür war die Erkenntnistheorie des Philosophen René Descartes (1596–1650) – führte zu ersten emanzipatorischen Bewegungen von Frauen, die die geistige und intellektuelle Gleichheit der Geschlechter und die Bildung der Frauen einforderten.1

Der im 18. Jahrhundert medizinisch erklärte biologische Unterschied der Geschlechter von Mann und Frau wurde wieder zur Annahme der grundsätzlichen Verschiedenheit der Geschlechter und als Begründung für weibliche Unterlegenheit herangezogen. Aufgrund dieser „natürlichen“ Unterschiedlichkeit des Geschlechterverhältnisses wurden konträre Eigenschaften von Frau und Mann festgeschrieben und die Herrschaft der Männer in der Gesellschaft legitimiert. Auch Michel Foucault (1926–1984) stellt Mann und Frau in binärer Opposition gegeneinander.2 Ebenso sieht Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) die spezifischen Fähigkeiten der Frauen von denen der Männer als verschieden, sich gegenseitig ergänzend, im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen aber hinsichtlich der Wertigkeit dennoch als gleich an.3 Mit dem Differenzansatz wurde eine grundsätzliche...

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