Show Less
Restricted access

Verändern Gender Studies die Gesellschaft?

Zum transformativen Potential eines interdisziplinären Diskurses

Series:

Franz Gmainer-Pranzl, Ingrid Schmutzhart and Anna Steinpatz

Gender Studies haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als kulturwissenschaftlicher, interdisziplinärer und gesellschaftskritischer Diskurs etabliert. Sie analysieren die soziale und kulturelle Konstruktion von Geschlecht, kritisieren etablierte (meist unsichtbare) Machtstrukturen, die Diskriminierung und Ausschließungen produzieren, und beleuchten die Intersektionalität der Dimension Gender mit ethnischen, sozialen, politischen, ökonomischen und religiösen Lebensbereichen. Trotz hoher theoretischer Standards und eines differenzierten Problembewusstseins stellen sich den Gender Studies allerdings durch eingefahrene gesellschaftliche Spielregeln, ökonomische Vorgaben und diskursive Identitätskonstruktionen wirkmächtige Widerstände entgegen. Lassen sich kulturelle Logiken, die repressive und exkludierende Strukturen als natürlich ausgeben, überwinden? Verändern also Gender Studies die Gesellschaft? Eine interdisziplinäre Tagung an der Universität Salzburg setzte sich im November 2013 mit dieser Frage auseinander und zeigte aus der Perspektive unterschiedlicher Wissenschaften das gesellschaftsverändernde Potential der Gender Studies auf.
Show Summary Details
Restricted access

Leibliche Aufführungs-Orte. Relevanz und Potenzial der Performance Kunst von Frauen im Kontext der Gender Studies

Extract

Teresa Leonhardmair

Leibliche Aufführungs-Orte Relevanz und Potenzial

1. Leib-haftige Szenarien

1989 veröffentlicht die amerikanische Künstlerin Barbara Kruger in ihrem Band Love for Sale eine populäre Collage: Die beiden Hälften eines Schwarz-Weiß-Frauenportraits sind mit roten Querbalken überschrieben. In aphoristischer Manier prangt die Botschaft „Your body/is a /battleground“ in fetten Lettern auf den Streifen. Das hier – sowohl im Sinne künstlerischen Materials als auch politischer Botschaft – eingesetzte Diktum zieht sich als ein programmatischer Leitfaden durch die Geschichte der Frauenbewegung, der Women’s Studies und der Gender Studies.1

„Is the body a site of cultural political protest? And can women’s bodies be the site of feminist cultural studies?“ fragt Janet Wolff am Beginn ihres Artikels.2 Körper respektive Leib kann nicht nur als bloße Thematik begriffen werden, betrifft uns dieser „Ort“ doch in unserem Menschsein selbst. „Den weiblichen körperlichen Leib als Schauplatz patriarchaler Machtansprüche und weiblichen Widerstands“3, als „Battleground“ ernst zu nehmen heißt, diesen im Modus seiner Existenzialität für das Mensch-Sein und in seiner Relevanz für die Gesellschaft zu betrachten. Um diese Bedeutung herauszustreichen, kann auch die umgekehrte Perspektive eingenommen werden: Nicht nur die Leiblichkeit macht uns zu lebendigen – d. h. zu empfindenden, sinnlichen, gebrechlichen ← 245 | 246 → und sterblichen – Wesen.4 Leben in der Welt ist ontologisch betrachtet leiblich5; ja, kann mit Bernhard Waldenfels als „Explikation von Leiblichkeit“, mit Maurice Merleau-Ponty als „unaufhörliche Verleiblichung“6 beschrieben werden. An Leibkonzepte phänomenologischer Philosophie...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.