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Verändern Gender Studies die Gesellschaft?

Zum transformativen Potential eines interdisziplinären Diskurses

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Franz Gmainer-Pranzl, Ingrid Schmutzhart and Anna Steinpatz

Gender Studies haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als kulturwissenschaftlicher, interdisziplinärer und gesellschaftskritischer Diskurs etabliert. Sie analysieren die soziale und kulturelle Konstruktion von Geschlecht, kritisieren etablierte (meist unsichtbare) Machtstrukturen, die Diskriminierung und Ausschließungen produzieren, und beleuchten die Intersektionalität der Dimension Gender mit ethnischen, sozialen, politischen, ökonomischen und religiösen Lebensbereichen. Trotz hoher theoretischer Standards und eines differenzierten Problembewusstseins stellen sich den Gender Studies allerdings durch eingefahrene gesellschaftliche Spielregeln, ökonomische Vorgaben und diskursive Identitätskonstruktionen wirkmächtige Widerstände entgegen. Lassen sich kulturelle Logiken, die repressive und exkludierende Strukturen als natürlich ausgeben, überwinden? Verändern also Gender Studies die Gesellschaft? Eine interdisziplinäre Tagung an der Universität Salzburg setzte sich im November 2013 mit dieser Frage auseinander und zeigte aus der Perspektive unterschiedlicher Wissenschaften das gesellschaftsverändernde Potential der Gender Studies auf.
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Am Beispiel Musils: Zur gesellschaftlichen Funktion gendertheoretisch orientierter Textanalysen in der Literaturwissenschaft

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Joan Wallach Scott hat mit ihrem mittlerweile ‚klassischen‘ Aufsatz „Gender. A Useful Categorie of Historical Analysis“ (1986) die titelgebende Kategorie wirkungsmächtig in der geschichtswissenschaftlichen Praxis und Theoriebildung etabliert, doch nicht nur dort. Ihre Befunde und vergleichbare Arbeiten wurden auch in der Literaturwissenschaft breit rezipiert und diskutiert, wobei der Fokus naheliegender Weise von der „Beschreibung der sozialen Organisation zwischen den Geschlechtern“1 auf deren (historische) Symbolisierungen verschoben bzw. ausgeweitet worden ist. Insbesondere Judith Butler, die mit ihrem äußerst erfolgreichen Buch Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity (1990) zu einem Star der feministischen Theorie geworden ist,2 hat auf die nicht bloß realitätsabbildende, sondern (angeblich sogar vordringlich) realitätsbildende Kraft performativer Akte und Inszenierungen im Sinne einer Subversion stabiler binärer Geschlechtsidentitäten verwiesen und damit nicht zuletzt den Literatur- und Kulturwissenschaften ein spannendes Untersuchungsgebiet eröffnet. Sie stieß mit ihrem Konzept einer gesellschaftsverändernden Macht des Performativen allerdings auch auf entschiedene Skepsis hinsichtlich der tatsächlichen gesellschaftlichen Relevanz und Umsetzbarkeit ihrer Postulate. Ein zentraler Einwand an ihrer Dekonstruktion der idealistischen Vorstellung mit sich selbst identischer Subjekte – seien diese nun geschlechtlich wie auch immer definiert – zielt auf den Umstand, dass Butler nicht zwischen performativen Sprechakten, sozialer Praxis und sozialen Strukturen differenziere; ihre alleinige Konzentration auf sprachlich-diskursive Aspekte der Subjektbildung gleiche deshalb einer eher scholastischen Übung, ihren machttheoretischen Analysen mangele es schlicht ← 35 | 36 → an historisch-gesellschaftlicher Fundierung: Butler verdamme die Gender Studies zur alleinigen Aufmerksamkeit auf symbolische Repräsentationsformen von Geschlecht, während die eminente Wirksamkeit...

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