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Verändern Gender Studies die Gesellschaft?

Zum transformativen Potential eines interdisziplinären Diskurses

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Franz Gmainer-Pranzl, Ingrid Schmutzhart and Anna Steinpatz

Gender Studies haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als kulturwissenschaftlicher, interdisziplinärer und gesellschaftskritischer Diskurs etabliert. Sie analysieren die soziale und kulturelle Konstruktion von Geschlecht, kritisieren etablierte (meist unsichtbare) Machtstrukturen, die Diskriminierung und Ausschließungen produzieren, und beleuchten die Intersektionalität der Dimension Gender mit ethnischen, sozialen, politischen, ökonomischen und religiösen Lebensbereichen. Trotz hoher theoretischer Standards und eines differenzierten Problembewusstseins stellen sich den Gender Studies allerdings durch eingefahrene gesellschaftliche Spielregeln, ökonomische Vorgaben und diskursive Identitätskonstruktionen wirkmächtige Widerstände entgegen. Lassen sich kulturelle Logiken, die repressive und exkludierende Strukturen als natürlich ausgeben, überwinden? Verändern also Gender Studies die Gesellschaft? Eine interdisziplinäre Tagung an der Universität Salzburg setzte sich im November 2013 mit dieser Frage auseinander und zeigte aus der Perspektive unterschiedlicher Wissenschaften das gesellschaftsverändernde Potential der Gender Studies auf.
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Argumentieren, Exkludieren? Zum habermasschen Öffentlichkeitsbegriff und seiner Kritik durch Iris Young

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Einleitung

Durch die Verwendung von Wörtern lassen sich Macht- und Unterwerfungsverhältnisse erkennen. In der Auswahl von Begriffen, im Recht, von ihnen Gebrauch zu machen, und in ihrem Einflusspotenzial kommen soziale Strukturen ans Licht, die Individuen und Personengruppen in Beziehung zu einander setzen, ihre Praxis regulieren und Prozesse ihrer Identitätsbildung bestimmen. Für viele Familien bleibt die genealogische Zentrierung durch den Namen in der Vaterfigur eine unhinterfragte Gewohnheit.1 Die Weitergabe des Familiennamens durch den männlichen Vorfahren ist ein Paradebeispiel für die Intersektionalität von Sprache, Politik und Genderungleichheit – und der Fokus des vorliegenden Beitrags. Der Familienname, der überwiegend durch den Vater weitergereicht wird, tritt meistens in Räumen des Austauschs zwischen Unbekannten, in der Öffentlichkeit, und nicht im Bereich des Heims und der Familie auf. Ebenso dort, in der Öffentlichkeit, ergreift die männliche Figur das Wort öfter als die Frau, und dort genießt der Mann mehr Möglichkeiten, seine Argumente und politischen Forderungen darzustellen. Der Familienname des Vaters, wie er im öffentlichen Kontext auftritt, ist das Symbol einer patriarchalischen Öffentlichkeit, deren Auswirkungen bis in ← 119 | 120 → die verschiedensten Bereiche öffentlicher Diskussion und Entscheidungsbildung hineinreichen und deren Fundamente auf alltäglichen Praktiken und Ansichten beruhen, die Genderdifferenzen und Genderungleichheiten naturalisieren.

Eine patriarchalische Öffentlichkeit zu diagnostizieren, bedeutet die Infragestellung jeglichen theoretischen Versuchs, die politische Legitimität im kommunikativen Prozess einer Gesellschaft zu verorten, ohne jene Genderverhältnisse, die ihn durchdringen und ausformen, zu berücksichtigen. Dies ist der problematische Punkt...

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