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Danton’s Tod von Georg Büchner

Revolutionsdrama als Tragödie

Riitta Pohjola-Skarp

War Shakespeare das Genie des letzten Jahrtausends, so war Georg Büchner (1813–1837) das Jahrtausendtalent. In diesem Buch begegnen sie sich. Als Büchner mit 21 Jahren sein erstes Drama Danton’s Tod schrieb, drohte ihm wegen seiner politischen Tätigkeit die Gefangennahme. Die Autorin untersucht Büchners Drama aus mehreren Perspektiven, wobei sie den historischen und politischen Aspekt mit einem von Slavoj Žižek inspirierten psychoanalytischen Blickwinkel sowie mit einer feministischen Lesart und mit Shakespeares Dramaturgie verbindet. Die weiblichen Gestalten des Dramas treten in den Fokus. Danton’s Tod dekonstruiert den Helden der Tragödie, baut aber Heldinnen auf, indem die Frauen am Ende des Stückes aus der marginalen Stellung in den Mittelpunkt rücken. Aus dem Revolutionsdrama wird eine moderne Tragödie als Alternative zur Ibsen-Tradition.
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I Einleitung

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1. Die Möglichkeit der modernen Tragödie

„Büchner war ein stürmischer Demokrat, und dennoch hätte selbst der schlimmste Reaktionär die Verhältnisse der Revolutionszeit nicht in schwärzeren Farben malen können“, schrieb Kaarlo Bergbom 18681 über Georg Büchners Schauspiel Danton’s Tod (1835). Es handelt sich bei diesem Stück um das unglaublichste Debüt der Weltliteratur und um das bedeutsamste Drama über die Französische Revolution. Zudem ist es das umstrittenste und zu den widersprüchlichsten Deutungen anregende Werk der deutschen Literatur.2

In der vorliegenden Untersuchung betrachte ich Danton’s Tod zunächst als Revolutionsdrama in Relation zu Büchners erklärtem Ziel, „so nahe wie möglich an die Geschichte heranzukommen“3, d. h. ich untersuche das Stück im Verhältnis zum historischen Quellenmaterial und zu den politischen Auffassungen des Autors. Im Anschluss daran lege ich den Schwerpunkt auf die Frage, wie sich aus diesem Schauspiel die alternative moderne Tragödie entwickelt.

„Mit Büchner fängt eigentlich die moderne Dramatik an“, behauptet Heiner Müller.4 Und die moderne Tragödie? Für Hegel ist bereits Shakespeare die zentrale Gestalt der modernen Tragödie, als Gegenpol zur antiken Tragödie.5 Heute vertritt man die Ansicht, die moderne Tragödie habe sich bei Henrik Ibsen herausgebildet. Doch Georg Büchner, der Jahrzehnte vor Ibsen schrieb, ist ein Dramatiker, der vor der eigentlichen Epoche der modernen Tragödie tragische Form und politische Thematik miteinander verband. In...

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