Show Less
Restricted access

Danton’s Tod von Georg Büchner

Revolutionsdrama als Tragödie

Riitta Pohjola-Skarp

War Shakespeare das Genie des letzten Jahrtausends, so war Georg Büchner (1813–1837) das Jahrtausendtalent. In diesem Buch begegnen sie sich. Als Büchner mit 21 Jahren sein erstes Drama Danton’s Tod schrieb, drohte ihm wegen seiner politischen Tätigkeit die Gefangennahme. Die Autorin untersucht Büchners Drama aus mehreren Perspektiven, wobei sie den historischen und politischen Aspekt mit einem von Slavoj Žižek inspirierten psychoanalytischen Blickwinkel sowie mit einer feministischen Lesart und mit Shakespeares Dramaturgie verbindet. Die weiblichen Gestalten des Dramas treten in den Fokus. Danton’s Tod dekonstruiert den Helden der Tragödie, baut aber Heldinnen auf, indem die Frauen am Ende des Stückes aus der marginalen Stellung in den Mittelpunkt rücken. Aus dem Revolutionsdrama wird eine moderne Tragödie als Alternative zur Ibsen-Tradition.
Show Summary Details
Restricted access

II Georg Büchner 1813–1817 – Vom Politiker zum Dramatiker

Extract



4. Restauration contra Revolution: Eine umstrittene Epoche

By all the presumed laws of cultural development the plays of Georg Büchner ought not to have been possible in his time and place – Germany of the early 1830’s <…>. Richard Gilman1

Georg Büchners Lebensjahre fallen in die Geburtszeit der Moderne, sofern man Paul Johnson und seiner umfangreichen Untersuchung The Birth of the Modern: World Society 1815–1830 glauben darf.2 Büchner wurde im Oktober 1813 geboren, zur selben Zeit, als die Völkerschlacht von Leipzig ausgefochten wurde, in der Napoleon unterlag und seine Macht in Deutschland verlor. Der nach der Niederwerfung Napoleons abgehaltene Wiener Kongress leitete die Epoche der Restauration in Europa ein. In Deutschland bedeutete dies die Wiederherstellung der alten Zersplitterung. Die Opposition, beseelt von der während der Napoleonischen Kriege entstandenen deutschen Nationalidee, forderte ein freies, vereintes Deutschland. Das Nationalgefühl, das sich unter den Studenten verbreitet hatte, trieb den Mörder des Schriftstellers August von Kotzebue zu seiner Tat. Dieser politische Mord veranlasste die führenden Kräfte der deutschen Staaten, 1819 die Karlsbader Beschlüsse zu erlassen, mit dem Ziel, die Opposition durch vereinte polizeiliche Maßnahmen zum Schweigen zu bringen. In ihrem Bestreben, die alte Ordnung wiederherzustellen, warf die Restauration – und ihr führender Kopf, Fürst Metternich – sowohl politische als auch soziale Revolten mit harter Hand nieder. Innerhalb der Epoche kämpften Restauration und latente Revolutionsbereitschaft miteinander.

In der Geschichte der deutschen Literatur ist dieser...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.