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Tendenzen der zeitgenössischen Dramatik

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Edited By Paul Martin Langner and Agata Mirecka

Der Band vereint elf Beiträge zu Werken von jüngeren und «klassischen» Theaterautoren wie Lukas Bärfuss, Bertolt Brecht,Martin Crimp, Ödön von Horváth, Janosch, Dea Loher, Christoph Marthaler, Heiner Müller, Hermann Nitsch, Roland Schimmelpfennig und Lothar Trolle. Die Abhandlungen der WissenschaftlerInnen, die an verschiedenen Universitäten in Europa tätig sind, erarbeiten zum Teil neue methodische Zugänge, die die Werke in umfassende Prozesse der Gegenwart einbetten. Ein weiterer Schwerpunkt in den hier versammelten Artikeln sind die Bedingungen und Aspekte der Rezeption von deutschsprachigen Autoren im In- und Ausland. Das Buch eröffnet Einblicke in aktuelle Bühnenprojekte und Inszenierungen.
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Perturbation als Analysemethode dramatischer Texte. Dramaturgien der „Störung“ bei Bertolt Brecht und Heiner Müller

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1.  Der Dramatiker und sein Ort der Störung

Untersucht man das Problem der ‚Perturbation‘ in den Beziehungen zwischen den Künsten und anderen kulturellen Kontexten, so stößt man unweigerlich auf die Funktionsbeschreibungen dramaturgischer und theatralischer Zusammenhänge. Es ließe sich zweifellos einiges über die spezifisch gesellschaftliche Funktion des Theaters in unterschiedlichsten Zeiten und Räumen hier zusammentragen und es wären komparatistische Untersuchungen in der Theatergeschichte von der Antike bis in die Gegenwart denkbar. Besonders seitdem sich die Künste gegenüber den gesellschaftlichen Zuständen nonkonformistisch emanzipierten, ist das ‚Prinzip Störung‘ im Verhältnis zu den jeweils herrschenden symbolischen, religiösen und anderen ideengeschichtlichen sowie sonstigen ideologischen Ordnungen unübersehbar geworden. Jegliche Konzepte avantgardistischer Poetiken und Dramaturgien fallen hier ins Auge und sind unter dem Gesichtspunkt innovativer, reformatorischer und revolutionärer Veränderung häufig dargestellt und untersucht worden. Unter dem Aspekt der Kritik, insbesondere der Gesellschafts- und Kulturkritik, sind immer wieder verschiedenste Segmente des Kulturellen einer Bestandsaufnahme unterzogen worden. Gerade die autopoietischen Zusammenhänge von Tradition und Innovation sowie Dialektik von Kontinuität und Diskontinuität bzw. die von Evolution und Revolution lassen das ‚Prinzip Störung‘ zu einem grundlegenden Entwicklungsimpuls anschwellen. Insofern scheint mir der Ansatz wegweisend, nicht mehr wie bisher dramaturgisch Neues unter dem Zeichen sozialer Emanzipation, geschlechtsspezifischer Dissoziation, oder macht- bzw. zeichenpolitischer Dekonstruktion zu demonstrieren, sondern die Störung selbst als strukturelles Dispositiv poetischer Diskurse herauszustellen.

Das auf-, ver-, wenn nicht gar zer-störende Moment...

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