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Virtuelle Bioethik

Ein reales Problem?

Series:

Lukas Ohly

Bioethische Probleme sind keine realen Probleme, sondern in Phantasien verstrickt. Diese Phantasien richten sich auf Allwissenheit im Informationszeitalter, Sehnsucht nach Unsterblichkeit, Schöpfung humanoider Maschinen oder Erschaffung des Lebens. Virtualität beansprucht dabei einen dritten Bereich zwischen Realität und Fiktion. Sind die Auswirkungen bioethischer Probleme damit real oder virtuell? Werden etwa reale Patienten behandelt und reale Subjekte biotechnisch erzeugt oder nur virtuelle? Und liegen etwa auch ethische Prinzipien selbst auf einer dritten Ebene zwischen Realität und Fiktion? Der Band enthält interdisziplinäre Beiträge zu diesen Fragen und möchte auf einen blinden Fleck innerhalb der bioethischen Diskussion aufmerksam machen.
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Constanze Spieß: Virtualisierung von Gefahren und Chancen im Bioethikdiskurs um Stammzellforschung. Eine linguistische Analyse

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Constanze Spieß

Virtualisierung von Gefahren und Chancen im Bioethikdiskurs um Stammzellforschung.Eine linguistische Analyse

Der öffentlich geführte Bioethikdiskurs1 um humane embryonale Stammzellforschung, der bis heute in den Medien (mal mehr und mal weniger) präsent ist, ist geprägt von Konflikthaftigkeit, die sich zum großen Teil sprachlich niederschlägt.2 Die Konflikthaftigkeit des Diskurses basiert dabei auf unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergründen, die sich bei Diskursakteuren in verschiedenen Handlungsoptionen und Forschungsinteressen manifestieren (vgl. Spieß 2011b). Die sich sprachlich manifestierende Konflikthaftigkeit des Diskurses zeigt sich u.a. in der Virtualisierung von Chancen einerseits und von Gefahren der Forschung andererseits. Dies geschieht durch sprachliche Handlungen, die auf unterschiedliche Weise konstituiert werden. Komplexe Argumentationshandlungen tauchen im Diskurs wiederholt und damit musterhaft auf, sie lassen sich als Argumen ← 17 | 18 → tationsmuster beschreiben. So werden typische Argumentationsmuster verwendet, um vor Gefahren der Forschung an und mit humanen embryonalen Stammzellen zu warnen und auf Chancen dieser Forschung zu referieren. In diesem Zusammenhang werden auch spezifische Metaphern eingesetzt, um auf Gefahren und Therapieaussichten zu verweisen.

Im Beitrag soll es um die sprachliche Virtualisierung von Chancen und Gefahren, die im Diskurs zur Handlungsbegründung vorgebracht wurden (und werden) gehen. Bevor die sprachlichen Phänomene in den Blick genommen werden, wird in einem ersten Schritt der Diskurs um humane embryonale Stammzellforschung (=ES-Forschung) schlaglichtartig skizziert, in einem zweiten Schritt werden die linguistischen Analyseebenen der Argumentationsmuster und Metaphorik vorgestellt. In einem dritten Schritt werden zentrale sprachliche Phänomene dieser Ebenen analysiert.

Die Debatte um die...

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