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Virtuelle Bioethik

Ein reales Problem?

Series:

Lukas Ohly

Bioethische Probleme sind keine realen Probleme, sondern in Phantasien verstrickt. Diese Phantasien richten sich auf Allwissenheit im Informationszeitalter, Sehnsucht nach Unsterblichkeit, Schöpfung humanoider Maschinen oder Erschaffung des Lebens. Virtualität beansprucht dabei einen dritten Bereich zwischen Realität und Fiktion. Sind die Auswirkungen bioethischer Probleme damit real oder virtuell? Werden etwa reale Patienten behandelt und reale Subjekte biotechnisch erzeugt oder nur virtuelle? Und liegen etwa auch ethische Prinzipien selbst auf einer dritten Ebene zwischen Realität und Fiktion? Der Band enthält interdisziplinäre Beiträge zu diesen Fragen und möchte auf einen blinden Fleck innerhalb der bioethischen Diskussion aufmerksam machen.
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Frank Martin Brunn: Die Virtualisierung des Körpers im Sport

1.„citius, altius, fortius“ – das Begriffsfeld ‚Sport’

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Frank Martin Brunn

Die Virtualisierung des Körpers im Sport

Der moderne Begriff ‚Virtualität’ hat seine Beheimatung in der Semantik der Computertechnologien und der Computernetzwerke. Von dort aus wandert er gegenwärtig in andere Sprachfelder ein. Der Begriff kommt vom Lateinischen virtus, zu deutsch: Tugend, Tapferkeit, Tüchtigkeit, Kraft, Männlichkeit. Über den französischen Begriff ‚virtuel’, zu deutsch: ‚fähig zu wirken’, ‚möglich’, beschreibt der Begriff ‚Virtualität’ heute die Eigenschaft einer Entität, nicht physisch jedoch funktional oder über ihre Wirkung vorhanden zu sein. Der Gegenbegriff zu ‚Virtualität’ ist nicht etwa ‚Realität’, wie gelegentlich angenommen wird, sondern ‚physische Realität’. ‚Virtuelle Realität’ und ‚physische Realität’ stehen begrifflich einander gegenüber.

Angesichts dieser Begriffsbestimmung scheint die Rede von einer Virtualisierung des menschlichen Körpers im Sport ein Widerspruch in sich zu sein. Ist nicht gerade der Sport ein Raum für physisch reale Erfahrungen? Die Virtualisierung des menschlichen Körpers im Sport ist allerdings kein Phänomen, das erst mit der verstärkten Computerisierung unserer Erfahrungswelt entstanden wäre. Gleichwohl ist es geprägt durch Faktoren, die auch in der Computerisierung unserer Erfahrungswelt eine bedeutende Rolle spielen: Die Beobachtung und Selbstbeobachtung des Menschen an Hand isolierter Einzelkriterien, die Aufbereitung dieser Beobachtungen in Tabellen und Bildern sowie die Zurverfügungstellung der gewonnenen Daten für Sporttreibende und für die Sportberichterstattung. So wird eine allgemeine Vergleichbarkeit der Daten möglich, hinter der die Personen verschwinden, von denen die...

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