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Virtuelle Bioethik

Ein reales Problem?

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Edited By Lukas Ohly

Bioethische Probleme sind keine realen Probleme, sondern in Phantasien verstrickt. Diese Phantasien richten sich auf Allwissenheit im Informationszeitalter, Sehnsucht nach Unsterblichkeit, Schöpfung humanoider Maschinen oder Erschaffung des Lebens. Virtualität beansprucht dabei einen dritten Bereich zwischen Realität und Fiktion. Sind die Auswirkungen bioethischer Probleme damit real oder virtuell? Werden etwa reale Patienten behandelt und reale Subjekte biotechnisch erzeugt oder nur virtuelle? Und liegen etwa auch ethische Prinzipien selbst auf einer dritten Ebene zwischen Realität und Fiktion? Der Band enthält interdisziplinäre Beiträge zu diesen Fragen und möchte auf einen blinden Fleck innerhalb der bioethischen Diskussion aufmerksam machen.
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Lukas Ohly: „Playing God“. Zur virtuellen Dimension einer bioethischen Metapher

Einleitung

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Lukas Ohly

„Playing God“. Zur virtuellen Dimension einer bioethischen Metapher

Virtuelle Realitäten zeichnen sich durch eine Aufweichung klassischer Differenzen aus: Die Immersionskraft1 virtueller Medien erzeugt beim Subjekt eine Unschärfe in der Frage, wofür es aktuell verantwortlich ist. Als ich Studierende in einer Vorlesung gefragt hatte, wie viele von ihnen gerade online sind, hatten sich 80 Prozent dazu bekannt. Meine Anschlussfrage, ob sie aktuell mehr verantwortungsvolle Präsenz für die Vorlesung zeigen würden oder für die Situation, in der sie gerade medial kommunizierten, erbrachte ein Ergebnis von Unklarheit: Nur vereinzelt fühlten sich die Kommilitoninnen und Kommilitonen für die Vorlesung verantwortlich; es waren aber auch nur ebenso viele, die sich für die Kommunikationssituation mit ihren aktuellen Smartphone-Partnern verantwortlich fühlten. Der große Rest wusste nicht, wie er sich entscheiden sollte. Es herrschte eine Sowohl-als-auch-Stimmung vor, die aber ebenso gut eine Weder-noch-Stimmung sein konnte. Mit virtuellen Kommunikationsmöglichkeiten werden ethische Hemmschwellen ebenso aufgebaut wie sie abgebaut werden. Dadurch bleibt nicht etwa alles beim Alten, sondern konkrete Verantwortung erodiert zugunsten einer unbestimmten Stimmung, irgendwie überall dabei sein zu müssen.

Solche Unschärfen begegnen wieder in bioethischen Diskursen: Der Unterschied zwischen Heilen und Optimieren verschwimmt ebenso wie die Dif ← 75 | 76 → ferenz von Handeln und Unterlassen, von aktiver und passiver Sterbehilfe und schließlich sogar die Differenz zwischen Körper und Geist. Wenn das Gehirn die Schnittstelle von Körper und Geist ist, dann besitzt es ebenso eine...

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