Show Less
Restricted access

Virtuelle Bioethik

Ein reales Problem?

Series:

Edited By Lukas Ohly

Bioethische Probleme sind keine realen Probleme, sondern in Phantasien verstrickt. Diese Phantasien richten sich auf Allwissenheit im Informationszeitalter, Sehnsucht nach Unsterblichkeit, Schöpfung humanoider Maschinen oder Erschaffung des Lebens. Virtualität beansprucht dabei einen dritten Bereich zwischen Realität und Fiktion. Sind die Auswirkungen bioethischer Probleme damit real oder virtuell? Werden etwa reale Patienten behandelt und reale Subjekte biotechnisch erzeugt oder nur virtuelle? Und liegen etwa auch ethische Prinzipien selbst auf einer dritten Ebene zwischen Realität und Fiktion? Der Band enthält interdisziplinäre Beiträge zu diesen Fragen und möchte auf einen blinden Fleck innerhalb der bioethischen Diskussion aufmerksam machen.
Show Summary Details
Restricted access

Michaela Hoffmann: Kindeswunschbehandlung mit den Augen des Kindes – Das virtuelle Kind in der Reproduktionsmedizin

Entstehung außerhalb des Uterus versus natürliche Zeugung

Extract

Michaela Hoffmann

Kindeswunschbehandlung mit den Augen des Kindes – Das virtuelle Kind in der Reproduktionsmedizin

In der Kindeswunschbehandlung scheint es nur zwei Parteien zu geben, die Eltern und den Reproduktionsmediziner. Erst die Klage von Sarah P. (2013) über die Bekanntgabe ihres genetischen Vaters hat die Sichtweise, die Bedürfnisse der Kinder in den Vordergrund gerückt.1 Diese Bedürfnisse der Kinder werden meiner Ansicht nach bei den ethischen Entscheidungen vor einer Kindeswunschbehandlung nicht genügend berücksichtigt.2

Es wird der Blick zu viel auf das durch Reproduktionsmedizin behebbare Leiden der Eltern gelegt, wenn ungewollte Kinderlosigkeit als Zustand elementaren Mangels und Identitätsverlustes geltend gemacht wird, wie es schon im Alten Testament bei den Ehefrauen Abrahams auftritt. Die daraus entstehenden schmerzlichen Gefühle sind aber durch die Sterilitätsbehandlung nicht gelöscht3, stehen auch weiterhin in der späteren Eltern-Kind-Beziehung im Hintergrund. Ich versuche, die Stellung des virtuellen Kindes zu verdeutlichen, und dann aus einer Position der advokatorischen Ethik seine Interessen zu vertreten. Im Interesse des virtuellen Kindes plädiere ich für eine verbindliche, institutsferne Beratung, zum einen über Risiken und ← 101 | 102 → medizinische Auswirkungen der assistierten Behandlung, als auch eine psychologische/psychotherapeutische Beratung über die Schwierigkeiten, die für die Familie insgesamt, und dann jedes Mitglied der Familie entstehen, eine Beratung über Menschenbild und Identität.

Was unterscheidet eine Zeugung im Rahmen einer Kindeswunschbehandlung von einer natürlichen Zeugung?

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.