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Einführung in die Ästhetik

Eine philosophische Collage

Evelin Klein

Die Autorin bietet in ihren einführenden philosophischen Reflexionen eine Auswahl an klassischen und modernen Themen der Ästhetik: Dialektik der Aufklärung, Kunst nahe am Verstummen, Begriffsgeschichte des Schönen und andere. In zehn Kapiteln werden Zitate durch kommentierende Abschnitte verbunden. Dabei geht das Buch nicht fortlaufend argumentierend vor, sondern präsentiert sich vielmehr als Collage. Jedem Kapitel ist ein literarisches Motto vorangestellt. Es soll den Gefühlsraum zeigen, in dem sich Ästhetik dann bewegt. Gegenwärtige Kunst als kritische Instanz verweist auf die Autonomie der Ästhetik, die stets Tendenzen abwehren muss, welche sie einzuschränken oder gar zu vernichten drohen: dies waren und sind hauptsächlich autoritär-politische Vereinnahmungen.
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I. „Ästhetizismus“

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I.  „Ästhetizismus“

Das tote Auge kann das tote Auge im Spiegel nicht sehen. Beim Sterben sind alle Spiegel bedeckt, um die Spiegelungen zu begraben.

Anaïs Nin, Unter einer Glasglocke

Als Ästhet wird in der Sprache des Alltags ein Mensch bezeichnet, der nur dem Schönen, „Geistigen“ lebt, sich selbst genügt, ein Narziß. Ablehnung von Verunstaltung, Krankheit, Häßlichkeit und die Verdrängung von Alter und Tod bestimmen diese Haltung. Narzißmus wird oft ästhetisch begründet. Das Wort „ästhetisch“ kann als Bezeichnung für eine bestimmte Körperhaltung, eine Geste, einen Ausdruck verwendet werden. „Unästhetisch“ wird so fast zu einem Synonym von „pornographisch“. Eine Frau sitzt „ästhetisch“, wenn ihre Beine übereinandergeschlagen oder schief gegeneinandergepreßt sind. Auf Hochzeitsbildern der Jahrhundertwende und noch lange danach blickt die Frau seitlich weg vom Ehegatten oder starr ins Objektiv. Ein Aktbild wird als Kunst gewertet, wenn Sexualität nicht grob deutlich wird, eben nur als Hauch von Erotik spürbar ist. Die Toleranzgrenzen, wann etwas als Pornographie oder als Kunst zu bewerten sei, haben sich freilich im Laufe der Geschichte verschoben.

Eine „bloß“ ästhetische Haltung hat den Beigeschmack des Unmoralischen, Negativen, meint ein distanziertes Verhältnis zu Mensch und Leben. Diese negative Bedeutung beginnt sich schon in Hegels Kritik der „romantischen Ironie“ abzuzeichnen. Der subjektive Schein der Kunst wird dem objektiven Wahrheitscharakter des Begriffs gegenübergestellt. Dazu möchte ich die entsprechende Textstelle aus Hegels Ästhetik anführen:

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