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Ortsumbenennungen im sowjetischen Russland

Mit einem Schwerpunkt auf dem Kaliningrader Gebiet

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Sven Freitag

Gegenstand der Arbeit ist die Untersuchung von Ortsumbenennungen auf dem Territorium der russischen Teilrepublik der Sowjetunion (RSFSR). Welche Entscheidungswege gab es? Nach welchen Kriterien wurden die Namen gewählt? Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Kaliningrader Gebiet, wo über die Siedlungsnamen hinaus auch fast alle Flur- und Gewässernamen ausgetauscht worden sind. Auch die Umbenennungen auf der Krim, auf Sachalin und in Karelien werden auf ihre Motivationen hin analysiert. Zugleich wird das Thema in den Kontext der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts eingebunden; Umbenennungen sind eines der Mittel zur Schaffung von Gedächtnisorten für neue politische und gesellschaftliche Verhältnisse.
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5. Fazit – Nomen est omen

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Das lateinische Sprichwort „nomen est omen“, „der Name ist ein Vorzeichen“, passt auf viele heutige ostslavische Oikonyme. Ist im Falle von Oikonymen wie Sovetskoe, Lenino oder Novyj Mir doch in der Regel davon auszugehen, dass es hier um in der Sowjetzeit vergebene Oikonyme handelt. Trotzdem ist dies jeweils nur ein Vorzeichen, welches insbesondere im Falle von Oikonymen wie zum Beispiel Krasnoe, einer besonderen Überprüfung bedarf. Sowjetisch anmutende Oikonyme können durchaus vor 1917 vergeben worden sein. Doch auch während des Bestehens der Sowjetunion wurden Oikonyme vergeben, die zwar anmuten, als würden sie dem Propagandakanon entspringen, dies aber nicht unbedingt der Fall sein muss. Auf die sowjetische Gesinnung der Bewohner lassen derartige Oikonyme mit Sicherheit nicht zwangsläufig schließen. Eher ist an die Gesinnung der lokalen Parteikader zu denken, aber auch andere Gründe, vor allem wirtschaftlicher Natur, konnten zu einem entsprechenden Oikonym führen.

Im Verlauf dieser Arbeit ist deutlich geworden, dass die bewusst geschaffene, beziehungsweise unter kontrollierten Bedingungen entstandene Namenlandschaft der Kaliningrader Oblast’ eine Besonderheit sowohl innerhalb der Sowjetunion als auch innerhalb der Russländischen Föderation darstellt. Ihr fehlen (fast) alle sonst üblichen Verweise auf Hagionyme oder nicht-wohlklingende Oikonyme. Wie die Untersuchungen der Umbenennungen in der Oblast’ Sachalin, der Oblast’ der Krim und auf dem karelischen Isthmus zeigen, unterscheiden sich die Verfahrensweisen der einzelnen Umbenennungsprozesse nicht wesentlich. Sie sind, von kleineren regionalen Besonderheiten abgesehen, fast identisch. So werden die Oikonyme der größten und damit auch propagandistisch bedeutendsten Städte der verschiedenen...

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