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Filmsynchronisation in Deutschland bis 1955

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Gerd Naumann

Diese Studie widmet sich der Geschichte der deutschen Filmsynchronisation zwischen 1895 und der Mitte der 1950er Jahre. Der Autor zeigt historisch gewachsene Traditionslinien auf und ordnet diese in gesellschaftlich-politisch-ökonomische Prozesse ein. Dabei geht er der Fragestellung nach, ob es in der Geschichte der deutschen Filmsynchronisation konnektive Strukturen gibt, mit denen sich durch wiederholende Handlungslinien wiedererkennbare Muster nachweisen lassen. Das Buch ergänzt bekanntere Aspekte der Filmgeschichte durch bisher nicht ausgewertete Materialien. So entsteht ein facettenreiches Bild der Geschichte des Synchronisierens von Kinofilmen, das gleichermaßen den Wandel medienpolitischer Interessen im historischen Kontext erzählt. Darüber hinaus ermöglicht der in der Praxis des Synchronisierens erfahrene Autor einen Einblick in die Studioarbeit wie auch ein Verständnis der Produktionsprozesse und stellt einige der Sprecher vor.
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2. Synchronisationsforschung im Überblick

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2.1 Der Übertragungsprozeß bei der Synchronisation von Filmen

Das Interesse an Filmsynchronisation setzte in der Forschung verhältnismäßig spät ein, so veröffentlichte erst Otto Hesse-Quack 1969 eine explizit auf Spielfilmsynchronisationen fokussierte Arbeit. Die Untersuchungsergebnisse von Der Übertragungsprozeß bei der Synchronisation von Filmen basieren im Wesentlichen auf statistischem Material, das im Zuge eines Forschungsauftrags, den der Bundesminister des Inneren 1963 der Abteilung Massenkommunikation des Forschungsinstituts für Soziologie der Universität zu Köln übertrug, erhoben und ausgewertet wurde.25 Filmsynchronisation wird von Hesse-Quack als Prozess der Massenkommunikation aufgefasst.26 Dabei wird unter Bezugnahme auf Schramm von einem Sender-Empfänger-Modell ausgegangen, das codierte Signalimpulse sendet, die vom Empfänger decodiert werden müssen.27 Dieses Modell erweitert sich bei der Synchronisation um einen „Codierungs- und Decodierungsvorgang, was für das Total der verbalen und für einen Teil der visuellen und übrigbleibenden auditiven (Geräusche, Musik) Elemente von Filmen gilt.“28 Der Bezugsrahmen der Untersuchung ist „die Anschauung des Synchronisationsprozesses von der Gesellschaft her.“29 Hesse-Quack geht diesbezüglich von der Prämisse aus, dass die Synchronschaffenden die Aufgabe von „professionellen Anpassern“30 gesellschaftlich-politisch-kultureller Konnotationen übernehmen31 Kritisch anzumerken ist die Voreingenommenheit der Untersuchung. So sei bereits nach „einer ersten Überschau über das Material“32 der Eindruck gewonnen worden, „daß alles, was auch nur irgendeiner Gruppe der Gesellschaft mißfallen könnte, bei der Synchronisation aus den ausländischen Filmen ausgemerzt wird.“33 Für die Untersuchung von besonderem Interesse ist insbesondere ← 23 | 24 →der Nachweis, „welche Gr...

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