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Filmsynchronisation in Deutschland bis 1955

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Gerd Naumann

Diese Studie widmet sich der Geschichte der deutschen Filmsynchronisation zwischen 1895 und der Mitte der 1950er Jahre. Der Autor zeigt historisch gewachsene Traditionslinien auf und ordnet diese in gesellschaftlich-politisch-ökonomische Prozesse ein. Dabei geht er der Fragestellung nach, ob es in der Geschichte der deutschen Filmsynchronisation konnektive Strukturen gibt, mit denen sich durch wiederholende Handlungslinien wiedererkennbare Muster nachweisen lassen. Das Buch ergänzt bekanntere Aspekte der Filmgeschichte durch bisher nicht ausgewertete Materialien. So entsteht ein facettenreiches Bild der Geschichte des Synchronisierens von Kinofilmen, das gleichermaßen den Wandel medienpolitischer Interessen im historischen Kontext erzählt. Darüber hinaus ermöglicht der in der Praxis des Synchronisierens erfahrene Autor einen Einblick in die Studioarbeit wie auch ein Verständnis der Produktionsprozesse und stellt einige der Sprecher vor.
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7. Kriegsende und Neuanfang

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Der Krieg hatte im nationalsozialistischen Deutschland zum Verschwinden englischsprachiger Produktionen von den Spielplänen der Kinotheater geführt. Dieser Umstand zeitigte jedoch keineswegs das Ende der Spielfilmsynchronisation. Allein 1942 waren von 87 aufgeführten Filmen noch 30 ausländischer Herkunft1058, doch bearbeitet wurden zuletzt ausschließlich nichtenglischsprachige europäische Produktionen. Mochte das Kriegsgeschehen auch allgegenwärtig sein und zunehmend den Alltag der Menschen bestimmen, so wurde der Spielbetrieb dennoch bis zum Ende aufrechterhalten. In den letzten Kriegsjahren mangelte es der deutschsprachigen Filmproduktion an „Holz, Leinwand und Gips für die Dekorationen“1059, aber es wurden noch immer Kinoproduktionen hergestellt. „Die unter dem Nationalsozialismus gedrehten Filme liefen in rund 27.000 Kinos, wo immer die Wehrmacht ein Land Europas unterjochte.“1060 War dieser Filmmarkt der zweitgrößte der Welt, so existierten bei Kriegsende 138 einzelne Firmen1061, stellte spätestens die Bombardierung der UFA-Studios am 20.4.19451062 den Endpunkt der Filmindustrie im Dritten Reich dar. Allerdings verblieb eine rudimentäre Infrastruktur, so gab es von vormals 60 noch immer 22 bespielbare UFA-Lichtspielhäuser in Berlin; auch waren die Ateliers nicht vollauf zerstört.1063 Die Anlangen in Berlin-Johannisthal sowie das Bavaria-Gelände in München-Geiselgasteig erwiesen sich sogar als nahezu vollständig erhalten.1064

Als am 8.5.1945 die deutsche Wehrmacht in die bedingungslose Kapitulation einwilligte, stellte dies für die Entwicklung und Etablierung der Synchronisation einen Kontinuitätsbruch dar. Hatte sich diese parallel zum Siegeszug des Tonfilms etabliert, sollten die Nachsynchronisationsaktivitäten zunächst zum Erliegen kommen. Ein umfassendes Produktions-, Verleih- und...

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