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Buchwidmungen der Frühen Neuzeit als Quellen der Stadt-, Sozial- und Druckgeschichte

Kritische Analyse der Dedikationen in volkssprachlichen Mainzer Drucken des 16. Jahrhunderts- Unter Verwendung statistischer, netzwerkanalytischer und textinterpretatorischer Methoden

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Andre Horch

Widmungen stellen eine Form von Paratexten des Buches dar, deren historische Aussagekraft bislang nicht ausreichend gewürdigt erscheint. Am Beispiel der deutschsprachigen Druckproduktion der Stadt Mainz im 16. Jahrhundert weist der Autor 178 Dedikationen nach, die er durch eine Kombination bewährter texthermeneutischer wie auch innovativ-statistischer und netzwerkanalytischer Untersuchungsmethoden auswertet. Die Untersuchung liefert neue Einblicke in die soziale, ökonomische und religiöse Struktur der Mainzer Stadtgesellschaft der Frühen Neuzeit. Sie versteht sich durch Anwendung computergestützter Analysetechniken als Beitrag zur schrittweisen Entwicklung jener Wissenschaftskonzeption, die weltweit unter dem Stichwort Digital Humanities diskutiert wird.
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1 Einleitung

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1. Einleitung

1.1 Thematische Einführung

Im Unterschied zur Landbevölkerung, die schon aufgrund ihrer geringen Schreib- und Lesefähigkeit als Trägerschicht für gesellschaftliche Transformationsprozesse während der Frühen Neuzeit weitgehend ausfiel, waren es vor allem Stadtbewohner, die Druckmedien als Informationsquelle und Kommunikationsmittel zugleich zu nutzen wussten, und so als Rezipienten und Produzenten der frühneuzeitlichen Literaturproduktion fungierten.1 Die Gründe: Innerhalb der Mauern größerer Städte befanden sich zumeist ein gebildetes Lesepublikum, finanzkräftige Kapitalgeber, speziell ausgebildete Fachkräfte, sowie zentrale Institutionen wie Bibliotheken, die über Handschriftenbestände verfügten, welche als Vorlagen für die Veröffentlichung von Druckausgaben herangezogen werden konnten.2 Zugleich waren größere Städte in die Handels- und Informationswege eingebettet, die für den überregionalen Vertrieb der Druckerzeugnisse notwendig waren.3 Hinzu kam, dass sich die Bewohner dieser Städte häufig als Verfasser volkssprachlicher medizinischer, juristischer, philosophischer, militärstrategischer, sprachwissenschaftlicher oder auch theologischer Werke hervortaten.

Vor allem größere Städte entwickelten sich aufgrund der Bündelung weltlicher und geistlicher Macht, ihrer Finanz- und Innovationskraft und ihrer gesellschaftlichen Dynamik zu bedeutenden wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zentren. Oftmals waren sie als freie Städte oder Reichsstädte mit besonderen Privilegien ausgestattet. Dem standen seit dem Spätmittelalter im ländlichen Bereich regional unterschiedlich ausgeprägte Tendenzen zur politisch-religiösen Autonomie bäuerlicher Gemeinden gegenüber.4 Vor dem Hintergrund dieser facettenreichen und mit ← 1 | 2 → ihren Errungenschaften lange nachwirkenden Epoche5 erscheint es umso...

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